Ach, Schweinfurt.
Du graue Diva am Main, du Kugellager-Königin mit Ruß im Herzen und Beton im Charme. Wie oft habe ich versucht, dich zu lieben – und wie oft hast du mir mit stoischer Gleichgültigkeit geantwortet? Es ist diese besondere Art von Beziehung, die man wohl nur als Hassliebe bezeichnen kann. Wobei – wenn ich ehrlich bin – der Hass sich öfter gemeldet hat als die Liebe.
In meiner Jugend warst du kein Ort für große Träume. Keine funkelnde Metropole, kein Sehnsuchtsziel. Eher eine Industriestadt mit der Ausstrahlung eines Montagmorgens im November. Während andere Städte mit Flair, Geschichte und einem Hauch von Glamour glänzten, hattest du Maschinenlärm, Zweckmäßigkeit und dieses unerschütterliche Selbstbewusstsein, nichts Besonderes sein zu wollen – und genau das durchzuziehen.
Und ich? Dorfkind. Mit großen Augen und der naiven Hoffnung, dass auch du irgendwann zurücklächelst. Ich habe mich bemüht, wirklich. Habe mich eingebracht, habe dokumentiert, gefilmt, fotografiert – über 3000 Filmberichte, unzählige Bilder. Ich habe versucht, dir ein Gesicht zu geben, vielleicht sogar ein freundlicheres, als du es dir selbst zugestehst.
Ich habe deine Menschen kennengelernt. Manche herzlich, offen, fast schon rührend in ihrer Bodenständigkeit. Andere… nun ja, sagen wir: weniger einladend. Du bist eben auch das – eine Stadt der Gegensätze, in der man genauso gut ein Schulterklopfen wie einen Seitenhieb bekommt.
Und dann kam dieser Moment, der alles auf den Punkt brachte: Ich wollte mitgestalten. Nicht nur zuschauen, sondern Teil von dir werden. Ein bisschen Verantwortung, ein bisschen Einfluss – ein bisschen „Wir“. Doch statt offenen Türen bekam ich… geschlossene Fensterläden. 340 Unterstützer wären nötig gewesen. 150 waren es. Dafür gab es reichlich Kommentare aus der digitalen Gosse, großzügig verteilt und kostenlos.
Das ist vielleicht deine ehrlichste Sprache, Schweinfurt: nicht laut, nicht herzlich – sondern nüchtern, manchmal kalt, manchmal verletzend. Eine Stadt, die nicht unbedingt applaudiert, selbst wenn jemand versucht, ihr etwas zu geben.
Und so stehe ich jetzt hier und ziehe Bilanz. Keine Urkunde, kein Händedruck, kein „Gut gemacht“. Nicht, dass ich es erwartet hätte – aber ein kleines Zeichen wäre vielleicht nett gewesen. Nur so, der Vollständigkeit halber.
Weißt du was, Schweinfurt? Vielleicht hast du recht. Vielleicht passen wir einfach nicht zusammen. Vielleicht bin ich zu sehr Dorfkind geblieben, zu sehr jemand, der Wärme sucht, wo du Funktion bietest. Vielleicht hast du mich nie gebraucht – und ich habe dich zu lange missverstanden.
Du bist jetzt nur noch ein Wohnort für mich. Ein Ort, an dem ich lebe, aber nicht mehr dazugehöre. Fremd, obwohl ich dich in- und auswendig kenne.
Und doch – das ist das Gemeine an dieser Geschichte – ein kleiner Teil von mir wird dich immer noch anschauen und denken:
Vielleicht hätte es ja doch funktionieren können.
Aber du wolltest nicht.

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