Diese Kandidatur war ein Vogelbeobachtungsseminar. Kein ornithologisches, wohlgemerkt, sondern eines für die ganz spezielle Gattung, die nur nachts aktiv wird, aus dunklen Löchern pfeift und sich tagsüber hinter Bildschirmen tarnt. Ein Lehrgang in Sachen Menschenkenntnis, finanziert mit Zeit, Nerven und Illusionen.
Man lernt schnell: Freunde erkennt man daran, dass sie bleiben. Feinde daran, dass sie plötzlich sprechen. Laut, schief und stets unter der Gürtellinie. Verleumdung als Volkssport, Beleidigung als Meinungsfreiheit, Anstand als verzichtbarer Luxus. Alles gedeckt durch das schützende Blätterdach des Internets, unter dem sich selbst der letzte geistige Tiefflieger für einen Adler hält.
Diese Wesen – Menschen zu nennen, fällt schwer, Vögel wären beleidigt – haben ein bemerkenswertes Talent: Sie kacken auf alles. Auf Würde, Respekt, Liebenswürdigkeit. Auf jedes Gespräch, das nicht ins eigene enge Weltbild passt. Wer anders denkt, wird gefressen. Wer widerspricht, verdaut. Wer Haltung zeigt, aussortiert. Willkommen im Biotop der moralischen Resteverwertung.
Feindschaften, Hass und kleine private Kriege entstehen nicht aus Argumenten, sondern aus diesem Mist. Aus Leuten, die sich nicht für Inhalte interessieren, sondern nur dafür, wen sie als Nächstes zerhacken können. Der Abschaum unserer Gesellschaft erkennt man daran, dass er immer nach unten tritt und sich dabei für mutig hält.
In Zukunft halte ich Abstand. Nicht aus Angst, sondern aus Hygienegründen. Manche Milieus sollte man nicht betreten, manche Stimmen nicht ernst nehmen, manche Städte nicht verklären.
Dieses Schweinfurt hat mich nicht verdient.
Nicht, weil es zu klein wäre – sondern weil es zu viele gibt, die glauben, Menschsein sei ein Fressverhalten.
Und nein: Vögel sind eigentlich sehr liebenswerte Tiere.
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