Schweinfurt, die Farbe Grau und das große Wahlplakat-Verschwinden



Schweinfurt ist heute noch trostloser als sonst. Und das will was heißen. Der Schnee ist nicht mehr weiß, sondern dieses urbane Grau-Braun, das aussieht, als hätte der Winter selbst eine depressive Phase. Dreckiger Schnee, nasse Schuhe, kalte Finger – und Gesichter. Viele Gesichter. Alle mit diesem Blick, der sagt: „Ich war auch mal motiviert, irgendwann, früher.“

Man fragt sich unweigerlich:
Sind die alle depri – oder hat es mich einfach erwischt?



Kurzdiagnose im Vorbeigehen:
Möglich.
Aber unwahrscheinlich.
Schweinfurt wirkt eher wie eine kollektive Stimmungslage auf zwei Beinen.

Doch dann: Gegenoffensive. Gedanklich. Ich denke positiv. Wirklich!
Die Sonne wird wieder scheinen. Irgendwann. Ganz bestimmt. Wahrscheinlich. Vielleicht.
Und vor allem: Die Wahlplakate sind weg.

Weg!

Diese meterhohen Gesichter mit Dauerlächeln, die Versprechen machen, als wären sie die Heilsbringer in Polyesterjacken.
„Zukunft gestalten“, „Gemeinsam stark“, „Für euch da“ – ja klar.
Immer vor der Wahl diese Papier-Apokalypse, als gäbe es kein Morgen. Keine Bäume. Keine Wälder. Keine Klimakrise. Nur Druckerfarbe und Kabelbinder.

Und das Beste:Selbst die Ökos machen mit.

Klimaschutz auf 120 Gramm Recyclingpapier, laminiert.
Nachhaltigkeit mit Plastikbinder.
Moralisch korrekt, aber bitte wetterfest.

Da verstehe ich die Welt nicht mehr.
Aber muss ich das?

Vielleicht ist das Leben einfach eine Mischung aus grauem Schnee, grauen Gesichtern, bunten Wahlplakaten und der leisen Hoffnung, dass zwischen all dem Mist irgendwann wieder echtes Licht durchkommt.

Und bis dahin gilt:
Wenn alle anderen depri aussehen –
vielleicht sind sie es.
Oder vielleicht bist du einfach nur der Einzige, der genau hinschaut.

Aber egal wie:
Die Sonne kommt zurück.
Die Plakate sind weg.
Und das allein fühlt sich heute schon fast wie ein kleiner Wahlsieg an. ☀️






















Kommentare