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Ehrungen Schlusssitzung – ian (16. Dezember 2025)_2.jpg BU: Oberbürgermeister Martin Heilig legt seinem Vorgänger im Amt Christian Schuchardt die Behr-Medaille um. Foto: Christian Weiß |
Mit diesem Zitat von Dolf Sternberger eröffnete Oberbürgermeister Martin Heilig die Jahresschlusssitzung des Stadtrates und erläuterte ihn dahingehend, dass Einheit Gleichmacherei, Konformität, ja Einfalt sei, Einigung dagegen voraussetze, unterschiedliche Hintergründe und Blickwinkel einzubringen, „um Lösungen zu ringen und am Ende gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“ Genau diesen Weg gehe man in Würzburg. Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer dankte der Oberbürgermeister für ihre enge und wohlwollende Begleitung der Entwicklung unserer Stadt: „Sie ist für uns von unschätzbarem Wert.“
In seiner Rede ordnete Martin Heilig Vergangenes, nahm das Kommende in den Blick und stellte die grundlegende Frage voran: „Wie geht es uns in diesem Dezember des Jahres 2025?“ Kriege, politische Spannungen und der Klimawandel sind Herausforderungen, denen sich die Stadtgesellschaft gegenüber sieht. Auch die Zunahme von Desinformation, Extremismus und gezielter Manipulation in digitalen Räumen wecke Besorgnis. Diesem düsteren Bild setzt der Oberbürgermeister Zuversicht entgegen, die sich aus der Erfahrung speist, dass Probleme gelöst werden können, wenn man sie rational angeht, Fortschritt möglich ist, wenn man offen bleibt für neue Ideen und gemeinsam etwas verändert werden kann, wenn man das scheinbar Unvermeidliche nicht einfach hinnimmt. „In Würzburg können wir unsere Zuversicht auf stabile Säulen stützen“, so Heilig.
Als Beispiele für gutes Gelingen nannte er die Aufstellung des Haushalts 2026, bei der im Stadtrat auf jede parteipolitische Profilierung verzichtet und gemeinsam mit der Verwaltung Verantwortung übernommen wurde. Ebenso beispielhaft sei die Kommunale Wärmeplanung, mit der die Stadt Würzburg ihrer Zeit weit voraus sei und Planungssicherheit biete. Auch den Finanzierungsbeschluss für den ÖPNV hob Heilig hervor. „Mobilität ist Teilhabe. Sie entscheidet darüber, ob Menschen Zugang zu Arbeit, Bildung, Kultur und sozialem Leben haben“, so der Oberbürgermeister.
Die Rettung der Posthalle bezeichnete Heilig als „echten Lichtblick für die Kulturszene“. Die Posthalle bleibt als mittlere Spielstätte erhalten, mit all ihrer Bedeutung für Konzerte, Veranstaltungen und das kulturelle Leben in Würzburg. Die langfristige städtebauliche Perspektive des Bismarckareals wird dennoch nicht aus den Augen verloren.
Im Hinblick auf die kommende Wahl des Stadtrats im März 2026 wünschte sich der Oberbürgermeister gegenseitigen Respekt und Einbeziehen, Gemeinsinn und Zukunftsoptimismus, Mut – und die Ermutigung zur Selbstwirksamkeit.
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BU: Bundestagsabgeordnete Dr. Hülya Düber erhält aus den Händen von Oberbürgermeister Martin Heilig die Silberne Stadtplakette. Foto: Christian Weiß |
Eine seltene Auszeichnung wurde Christian Schuchardt, dem früheren Würzburger Oberbürgermeister, zuteil: Er wurde im Rahmen der Schlusssitzung mit der Behr-Medaille ausgezeichnet. „Christian Schuchardt hat eine Stadt hinterlassen, die gewachsen ist“, hebt Heilig hervor – gewachsen im Bewusstsein ihrer eigenen Stärke, ihres Engagements und ihrer Gemeinschaft.
In Schuchardts beiden Amtszeiten als Oberbürgermeister wurden von 2014 bis 2025 viele Entwicklungen angestoßen, wie die Konversion des neuen Stadtteils Hubland, der Bau des Nautilands wie auch die Aufwertung des Mainfranken Theaters zum Staatstheater. Seine Amtszeit sei geprägt gewesen von Weitblick, einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sowie einem großen Einsatz für eine demokratische, plurale Gesellschaft, beschreibt Heilig seinen Vorgänger.
In Schuchardts Amtszeit fielen schwierige Phasen wie die Corona-Pandemie und die großen Fluchtbewegungen. „Sein Krisenmanagement war geprägt von großer Ruhe und großer Humanität“, so Heilig. Schuchardt sehe die Stadt auch immer als lebendigen Organismus, der von Menschen geprägt werde.
Für Christian Schuchardt, der bis vor kurzem im Ratssaal die Ehrungen überreichte, war es etwas ungewohnt, heute selbst eine zu empfangen, wie er feststellte. Er freue sich über diese Auszeichnung: „Behr steht für Recht und Freiheit – dafür stehen wir auch“, so Schuchardt, der inzwischen Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages ist, denn „wenn die Stadtgesellschaften nicht funktionieren, ist auch die Demokratie in Gefahr.“
Sie war eine feste Größe der Stadtverwaltung, betonte Heilig in seiner Laudatio für Dr. Hülya Düber. Die ehemalige Sozialreferentin Würzburgs und jetzige Bundestagsabgeordnete wurde vom Stadtrat mit der silbernen Stadtplakette ausgezeichnet. „In ihre Amtszeit fielen Jahre, die man so nicht bestellt hätte“, so Heilig. Jahre die unter anderem geprägt waren von den beiden großen Fluchtbewegungen, von der Energie-Mangellage und der Corona-Pandemie. Sie habe für Flüchtlinge Betten organisiert zu Uhrzeiten, in denen andere Büros schon längst dunkel waren. Gleichzeitig hat Dr. Düber auch dauerhaft Schwerpunkte gesetzt, zum Beispiel beim Ausbau der Kitas, beim Quartiersmanagement, der Seniorenarbeit oder einer besseren Pflege-Infrastruktur. Unter ihrer Leitung wurden zahlreiche Integrationsprojekte für Flüchtlinge ins Leben gerufen sowie die Rolle der Inklusions- und Integrationsbeauftragten. Dazu kam noch ihr Engagement auf Bezirksebene wie auch im Sozialausschuss des Bayerischen Städtetages. „Du hast mit großer Fachkompetenz und Empathie Lösungen entwickelt“, unterstreicht Heilig Dr. Dübers Engagement und Verdienste: „Die Betroffenen konnten sich stets auf Dich verlassen wie die Löwenkinder auf ihre Mama.“
Dr. Hülya Düber dankte für die Ehrung, die sie als „hohe Wertschätzung für ihre Arbeit“ sieht – jedoch nicht ohne den Dank an ihre früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben und sie darin einzuschließen.
Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer freute sich, nun schon zum zweiten Mal die Ehre und das Vergnügen zu haben, als Regierungspräsidentin zur Jahresschlusssitzung zu sprechen: „Das ist ja bewährte Tradition und zugleich Würdigung unserer erprobten Zusammenarbeit“.
Weizendörfer skizzierte die Aufgabe ihrer „Aufsichtsbehörde“ laut Bayerischer Gemeindeordnung, verständnisvoll zu beraten, zu fördern und zu schützen sowie die Entschlusskraft und die Selbstverantwortung der Gemeindeorgane zu stärken.
Die Regierungspräsidentin mahnte, dass manche Themen, wie die Sanierung des Mainfranken Theaters, die Stadt noch länger beschäftigen und die Aufstellung der zukünftigen Haushalte deutlich erschweren wird. Wenn auch die beiden Straßenbahnvorhaben und die Errichtung einer Multifunktionsarena jeweils ihre ganz eigene Berechtigung haben. Die Straßenbahnvorhaben würden die verkehrliche Infrastruktur erheblich verbessern. Die Multifunktionsarena trüge dazu bei, Würzburg mit Blick auf Sport und Kultur noch lebenswerter zu machen, nicht zu vergessen die positiven Impulse für die heimische Wirtschaft.
Der Stadtrat müsse bei seinen Entscheidungen die Grundbedürfnisse der Gemeinschaft im Blick behalten. Hierzu gehören wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie Schulsanierungen, der Straßenbau, die Gesundheitsversorgung einschließlich der Geburtshilfe oder auch die Schaffung von Wohnraum. „Das sind alles äußerst wichtige Aufgaben“, so Weizendörfer.
Weizendörfer begrüßte, dass die Stadt Würzburg bereits 2018 mit der Einführung der Mindestquote für den geförderten Mietwohnungsbau ein starkes Instrument der städtischen Wohnungspolitik etabliert hat und mit Hilfe der Förderzusagen der Regierung von Unterfranken in diesem Jahr rund 320 Wohneinheiten in drei Würzburger Stadtteilen (Hubland, Sanderau, Lindleinsmühle) neu auf den Markt gekommen sind. „Ein wichtiger Beitrag zur Entspannung des Würzburger Wohnungsmarktes“, so die Präsidentin.
Mit einem Blick nach Osten zeigte Weizendörfer Verständnis dafür, dass der russische Expansionsdrang und die Gefahr eines militärischen Konflikts mit der NATO bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Sorgen hervorruft: „Die Zeiten ruhiger Selbstgewissheit eines Friedens in Freiheit scheinen vorüber.“
Damit komme der Fähigkeit Deutschlands zur Zivilen Verteidigung wieder eine besondere Bedeutung zu. „Erfolgreiche Krisenvorsorge ist für die Stadt Würzburg glücklicherweise kein Neuland. Schon seit dem vergangenen Jahr befassen auch Sie sich verstärkt mit dem Thema Zivile Verteidigung“, lobte Weizendörfer.
Auch die Regierungspräsidentin sieht den Klimawandel als eine weitere drängende Herausforderung unserer Zeit an: „Auch in Unterfranken wächst die Gefahr von Starkniederschlägen und Sturzfluten. Im bayernweiten Vergleich ist Unterfranken aber vor allem der Brennpunkt von zunehmender Hitze und Trockenheit. Mit ihrem Hitzeaktionsplan macht die Stadt Würzburg auf diese Entwicklung aufmerksam und gehört damit zu den ersten Kommunen in Bayern, die sich aktiv auf extreme Hitze vorbereiten.“ Der Hitzeaktionsplan wurde für die Stadt und für den Landkreis Würzburg gemeinsam entwickelt, er zeigt, wie erfolgreiche stadtregionale Zusammenarbeit geht.
Viele Bürgerinnen und Bürger erleben Stadt und Landkreis längst als einen gemeinsamen Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitsraum. Angebote in den Bereichen Kultur, Bildung und Infrastruktur werden ganz selbstverständlich über Gemeindegrenzen hinweg genutzt. Als Stadtverantwortliche haben Sie erkannt, dass gerade in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel stadtregionale Kooperationen dazu beitragen, öffentliche Leistungen effizient und zukunftssicher bereitzustellen. „Gemeinsam gelingt mehr – mehr für Mobilität, mehr für Wirtschaft, mehr für Kultur und mehr für Lebensqualität“, freute sich die Regierungspräsidentin und versprach, auch künftig ein verlässlicher Partner zu sein, wenn es darum gehe, gute Ideen in konkrete Projekte zu überführen.
Mit Blick auf das bevorstehende Ende der aktuellen kommunale Wahlperiode dankte Weizendörfer im Namen des Freistaats Bayern all jenen, die Verantwortung für die Stadt tragen, für ihren unermüdlichen Einsatz für die Bürgerinnen und Bürger Würzburgs: „Sie haben – gerade auch bei der Haushaltsaufstellung - gezeigt, dass kommunale Selbstverwaltung eben auch kommunale Selbstverantwortung bedeutet!“
Musikalisch untermalt wurde die festliche Jahresschlusssitzung vom Akkordeon-Duo Blaž Fir und Vladimir Stupnikov mit der Suite Gothique des französischen Komponisten Léon Boëllmann.
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