Der Weihnachtsmarkt, Glühwein first – Weihnachten second. Vorsicht Satire





Eine Schweinfurter Glosse Weihnachten in Schweinfurt – das Fest der Stille. Und zwar der totalen Stille. Nicht, weil alle besinnlich wären, sondern weil auf dem Weihnachtsmarkt praktisch keine Musik gespielt werden kann, Die Stadt hat kein Geld. Dank GEMA herrscht dort eine Geräuschkulisse, die irgendwo zwischen Bibliothek, Kirchweih und leerer Lagerhalle pendelt. Der Posaunenchor? Ja, der kommt – zweimal. Im gesamten Zeitraum des Weihnachtsmarktes. Wer einen der beiden musikalischen Momente verpasst, hat eine dreiwöchige Stille-Performance gesehen, aber keinen Weihnachtsmarkt. Sicherheitsidylle mit Betonromantik Und dann diese Sicherheitsmaßnahmen. Früher reichten ein bisschen Tannengrün und eine Lichterkette. Heute steht der Schweinfurter Weihnachtsmarkt da wie ein urbanes Bollwerk. Wer sich dann ohne musikalische Begleitung in das Winterwunderland begibt, fühlt sich weniger als auf einem Weihnachtsmarkt, sondern eher wie an der Einfahrt zum Hochsicherheitsbereich einer Bundeswehr-Kaserne. Der gesamte Markt ist abgeriegelt, als lagere in der Mitte ein streng geheimes Glühweinelixier, das nicht in falsche Hände geraten darf. „Weihnachtsmarkt – Zutritt nur für Personal mit Sicherheitsstufe Zimtstern 3.“ Überall Betonklötze, massive wie schlecht gelaunte Elefanten, und Einfahrsperren, die aussehen, als plane man hier nicht Glühweingemütlichkeit, sondern das nächste NATO-Manöver. Romantik? Ja, sicher – Betonromantik. Man wartet eigentlich nur darauf, dass irgendwo ein Lagebericht ausgerufen wird: „Alle Einheiten in Stellung! Zielobjekt: Glühweinstand Nord!“ Essen top, Weihnachten flop Kulinarisch ist alles da: Bratwurst, Steak, Baumstriezel. Weihnachtlich? Eher so Halbzeit. Der Christstollen wirkt wie ein archäologischer Fund aus der Zeit, als es hier noch Adventsmusik gab. Dafür stehen die Besucher auf Holzschnitzeln, die bei Regen zur Rutschbahn mutieren. Ein falscher Schritt – zack – schon hat man eine kostenlose Choreografie hingelegt. Christkind & Co – Restprogramm Das Christkind aus Nürnberg kommt mit dem ewig gleichen Prolog. Engel Lutzi schwebt kurz ein. Der Esel trottet mit einer Gelassenheit über den Platz, als wäre er der Letzte, der sich noch an den Sinn der Veranstaltung erinnert. Ist es woanders besser? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber eines ist sicher: Diesen Weihnachtsmarkt verwechselt man mit keinem anderen. fast keine Musik zwei Posaunenchoreinsätze in drei Wochen Betonklötze, die an Manhattan erinnern Einfahrsperren wie am Kanzleramt und Glühwein, der alles wieder milder erscheinen lässt Schweinfurt zeigt: Weihnachten geht auch im Hochsicherheitsmodus. Besinnlichkeit nach Vorschrift. Advent zwischen Betonbarrieren. Ein Weihnachtsmarkt, der sich selbst schützt – und damit auch gleich vor zu viel weihnachtlicher Stimmung.





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