Heute war ich Sandra Grätsch persönlich dabei, als die Unterschriftenlisten des Bürgerbegehrens zur Wiedereinführung des alten Stadtbussystems an Oberbürgermeister Sebastian Remelé übergeben wurden. Gemeinsam mit den Initiatoren Hartmut Bach und Ines Bender sind wir dazu ins Rathaus gegangen – mit über 5680 Unterschriften im Gepäck. Schon bevor wir überhaupt im Büro des OBs standen, war die Bedeutung dieses Moments deutlich spürbar: Das Bürgerbegehren sendet ein klares Signal.
Ein deutliches Zeichen der Bürger – weit über das erforderliche Maß hinaus
Insgesamt wurden 6.838 Unterschriften gesammelt. Hiervon sind 5.680 gültige Stimmen aus der Stadt Schweinfurt, 863 aus dem Umland und 295 ungültig. Damit wurden die erforderlichen Stimmen um mehr als das Doppelte übertroffen – selbst ohne die drei großen Gruppen, die nicht stimmberechtigt sind:
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Schülerinnen und Schüler
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viele Busnutzer ohne deutschen Pass
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Anwohner aus den Umlandgemeinden, die täglich auf den Schweinfurter ÖPNV angewiesen sind
Hunderte weitere Menschen hätten noch unterschrieben – doch schon jetzt liegt das Bürgerbegehren bei rund 150 % über dem nötigen Quorum. Dieses Ergebnis zeigt eindrucksvoll, wie groß der Unmut über das neue ÖPNV-System ist.
Das Bild vor Ort: Frust, Sorgen – und große Hoffnung
Während wir die Listen übergaben, erzählten Bach und Bender noch einmal, wie aufgeladen die Stimmung in der Bevölkerung ist. 70 Schweinfurter Geschäftsinhaber hatten ihre Läden, Praxen, Salons und Cafés für das Sammeln der Unterschriften geöffnet. Die Begegnungen dort waren geprägt von massiver Kritik am neuen Bussystem.
Ich selbst habe in vielen Gesprächen erlebt, wie vor allem ältere Menschen überfordert sind:
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Bushaltestellen wurden verlegt.
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Linienführungen geändert.
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Takte ausgedünnt.
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Verbindungen komplett gestrichen.
Viele kommen nicht mehr zur Arbeit, nicht mehr zum Arzt, manche nicht einmal mehr zum Einkaufen. Der Alltag wurde für hunderte – wahrscheinlich tausende – komplizierter.
Politische Ignoranz sorgt für zusätzlichen Frust
Es hat mich persönlich betroffen gemacht, dass laut den Initiatoren außer Dr. Ulrike Schneider (Initiative Zukunft / ödp) praktisch kein Stadtrat oder keine Stadträtin an den öffentlichen Veranstaltungen teilgenommen hat.
Dass Bürger täglich mit Verspätungen, Umstiegsproblemen, verpassten Anschlüssen und einem insgesamt ausgedünnten Angebot kämpfen, scheint politisch noch immer zu wenig Widerhall zu finden.
Verspätungen und Taktprobleme: Neue Fahrplanänderung überzeugt ebenfalls nicht
Auch die Fahrplanänderungen, die seit November 2025 gelten, wirken laut den beiden Ingenieuren eher verschlimmernd als verbessernd. Beispiele, die dort angesprochen wurden:
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Bergl-Linie: Umlaufzeit um 12 Minuten gekürzt → häufig massive Verspätungen
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Sennfeld: Hälfte der früheren Fahrangebote entfallen → Ankunft am Roßmarkt nach der Begegnungszeit → Umstieg kaum möglich
Alles in allem wird weniger geleistet, obwohl das System nicht günstiger geworden ist und mehr Busfahrer benötigt werden.
Das macht vielen Bürgern verständlicherweise Angst – und wütend.
Wie es nun weitergeht
Mit der Übergabe beginnt für die Stadt eine einmonatige Prüf- und Zählfrist. In der Dezember-Sitzung des Stadtrats entscheidet sich, ob das Bürgerbegehren formal zulässig ist.
Parallel gibt es ein Gesprächsangebot der Stadt. Die Vertreter des Bürgerbegehrens sind gesprächsbereit – aber klar in der Haltung: Die Grundforderung des Bürgerbegehrens bleibt die Leitlinie. Notwendige Anpassungen seien denkbar, aber nur, wenn echte Verbesserungen entstehen.
Sollten die Gespräche keine Lösung im Sinne der Busnutzer hervorbringen, wird – nach Zulässigkeitsbestätigung – ein Bürgerentscheid stattfinden. Er müsste innerhalb von drei Monaten nach der Stadtratssitzung angesetzt werden.
Die Initiative fordert, diesen mit der Kommunalwahl am 08.03.2026 zusammenzulegen. Alles andere wäre angesichts der Finanzlage der Stadt aus Sicht vieler Bürger nicht nachvollziehbar.
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