Naturschützer warnen vor zu starken Holzeinschlägen im Steigerwald

 

Geschädigte Buchen am Rand einer Waldlücke nach Baumfällungen im Ebracher Forst, Foto BUND Naturschutz

Naturschützer warnen vor zu starken Holzeinschlägen im Steigerwald

BUND Naturschutz und Freundeskreis Nationalpark Steigerwald sehen ältere Buchenwälder durch intensive forstwirtschaftliche Eingriffe gefährdet. Vor Beginn der neuen Einschlagssaison fordern sie eine schonendere Bewirtschaftung und weniger Holzeinschläge in Wäldern, die älter als 100 Jahre sind.

Steigerwald/Ebrach. Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und der Freundeskreis Nationalpark Steigerwald warnen vor den Folgen starker forstwirtschaftlicher Eingriffe in ältere Wälder. Besonders kritisch sehen die Organisationen größere Lücken im Kronendach von Buchenbeständen.

Nach Auffassung der Naturschützer müssen die Funktionen des Waldes als Wasserspeicher, zur Kühlung der Landschaft und zur Bindung von Kohlenstoff stärker berücksichtigt werden. In älteren Waldgebieten sollten diese Leistungen Vorrang vor der Holznutzung erhalten.

Kritik an Eingriffen in alte Buchenwälder

Ralf Straußberger, Waldreferent des BUND Naturschutz, kritisiert insbesondere die Eingriffe in ältere Buchenbestände.

„Mit den starken Eingriffen gerade in die Buchenwälder, wird das flächige Absterben der älteren Buchen geradezu provoziert. Wir halten diesen ‚Kampf‘ gegen die Buche für falsch“, erklärt Straußberger.

Die Organisationen argumentieren, dass ältere Buchen empfindlich auf eine plötzliche Freistellung reagieren könnten. Größere Öffnungen im Kronendach könnten die Sonneneinstrahlung und Trockenheitsbelastung erhöhen.

Forstbetrieb Ebrach in der Kritik

Besonders kritisch beurteilen die Naturschutzorganisationen die Holznutzung im Bereich des Forstbetriebs Ebrach.

Nach ihrer Darstellung wurden in den vergangenen Jahren gezielt Bestände mit einem Alter von mehr als 140 Jahren eingeschlagen. Teilweise seien größere Lücken geschaffen worden, um lichtliebende Baumarten wie Elsbeere und Eiche zu fördern.

Die Organisationen halten einen solchen Waldumbau in den betroffenen Beständen nicht für notwendig, da dort bereits verschiedene Baumarten vorkämen.

Auch den Einsatz schwerer Forstmaschinen kritisieren sie. Nach ihrer Einschätzung beeinträchtigten Rückegassen und Wege die Wasserspeicherfunktion der Waldböden. Als aktuelles Beispiel nennen sie neu angelegte beziehungsweise ausgebaute Rückewege im Bereich Handthal.

Die Angaben und Bewertungen stammen aus der gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Naturschutzorganisationen.


Ergänzende redaktionelle Einordnung von SW-N-TV: Auch Krankheiten und Schädlinge belasten die Wälder

Bei der Diskussion über Holzeinschläge sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass unsere Wälder auch durch Trockenheit, Krankheiten und Schädlingsbefall erheblich belastet werden.

Auch im Schweinfurter Stadtwald und im Bereich des Wildparks haben wir bei unseren Beobachtungen Schäden an Bäumen festgestellt. Besonders auffällig waren dabei auch geschädigte Eichen.

Forstliche Eingriffe können unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem Schädlingsbefall, geschädigte oder abgestorbene Bäume sowie Maßnahmen zur Verkehrssicherung. Ob und wann Bäume entnommen werden müssen, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Allerdings lassen sich die Beobachtungen im Schweinfurter Stadtwald nicht unmittelbar auf die Situation im Steigerwald übertragen.

Aus Sicht unserer Redaktion bleibt deshalb eine wichtige Frage offen: Welche der kritisierten Holzeinschläge im Steigerwald dienen der regulären Holznutzung, welche dem Waldumbau und welche sind durch konkrete Schäden oder Sicherheitsrisiken begründet?

Eine fachliche Stellungnahme des zuständigen Forstbetriebs könnte dazu beitragen, die unterschiedlichen Bewertungen besser einzuordnen.

Redaktionelle Ergänzung: SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten. Dieser Abschnitt ist nicht Bestandteil der Pressemitteilung der Naturschutzorganisationen.


Geschädigte Buchen am Rand einer Waldlücke nach Baumfällungen im Ebracher Forst, Foto BUND Naturschutz

Forderung nach schonenderer Forstwirtschaft

Der BUND Naturschutz fordert eine deutliche Verringerung der Holzeinschläge in Wäldern, die älter als 100 Jahre sind.

Als Beispiele für alternative Bewirtschaftungsansätze nennen die Organisationen Rheinland-Pfalz sowie das sogenannte Lübecker Modell, bei dem Eingriffe in Waldbestände besonders zurückhaltend erfolgen sollen.

Aus Sicht der Naturschützer könnten geschlossene ältere Wälder einen wichtigen Beitrag zum regionalen Wasserhaushalt, zum Lokalklima und zum Artenschutz leisten.

Nationalpark Steigerwald bleibt zentrale Forderung

Die Organisationen verbinden ihre Kritik erneut mit der Forderung nach einem Nationalpark im Steigerwald.

Sie werfen der Bayerischen Staatsregierung vor, durch die bisherige Ablehnung eines Nationalparks eine stärkere Schutzwirkung für die alten Buchenwälder zu verhindern.

Ein Nationalpark könnte nach ihrer Auffassung nicht nur den Natur- und Klimaschutz stärken, sondern auch die Attraktivität der Region erhöhen.

Die Organisationen verweisen zudem auf Fördermöglichkeiten, von denen bestehende bayerische Nationalparkregionen profitieren.

Unterschiedliche Interessen bei der Waldnutzung

Die Debatte berührt grundsätzliche Fragen: Wie viel Holz soll in staatlichen Wäldern genutzt werden, und welche Flächen benötigen einen stärkeren Schutz?

Während BUND Naturschutz und Freundeskreis Nationalpark Steigerwald eine deutlich zurückhaltendere Holznutzung fordern, ist die Bewirtschaftung des Staatswaldes auch mit Aufgaben der Holzversorgung und Waldentwicklung verbunden.

Eine aktuelle Stellungnahme der Bayerischen Staatsforsten beziehungsweise des Forstbetriebs Ebrach zu den konkreten Vorwürfen liegt dieser Meldung nicht vor.


Neu ausgebaute Wege für die Holzernte im Stollberger Forst bei Handthal, Foto BUND Naturschutz


Streit um Holzeinschläge im Steigerwald: Bayerische Staatsforsten nehmen Stellung

Waldschützer kritisieren Eingriffe in alte Buchenbestände – Forstbetrieb Ebrach verweist auf Klimawandel, Waldumbau und gezielte Pflegemaßnahmen

Ebrach / Steigerwald. Wie viel Holzeinschlag vertragen die alten Buchenwälder im Steigerwald? Darüber gehen die Auffassungen von Naturschutzverbänden und den Bayerischen Staatsforsten auseinander. Während Waldschützer vor Schäden durch Eingriffe in ältere Waldbestände warnen, verteidigt der Forstbetrieb Ebrach seine Bewirtschaftung als notwendigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel.

Nach der Kritik des BUND Naturschutz und weiterer Waldschützer hat SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten beim Forstbetrieb Ebrach nachgefragt. Daniel Steuer, stellvertretender Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Ebrach, beantwortete sechs Fragen zu Holzeinschlägen, Waldschäden, Kronendach, Rückewegen und dem geplanten Waldumbau.

Warum werden auch ältere Buchen gefällt?

Die Kritik der Naturschützer richtet sich insbesondere gegen Holzeinschläge in über 100 Jahre alten, teilweise mehr als 140 Jahre alten Buchenbeständen.

Der Forstbetrieb Ebrach erklärt dazu, die Bewirtschaftung erfolge nach den Grundsätzen einer naturnahen und nachhaltigen Waldwirtschaft.

Durch die gezielte Entnahme einzelner Bäume oder Baumgruppen sollen jüngere Waldgenerationen gefördert und zusätzliche Lichtverhältnisse für andere heimische Baumarten geschaffen werden.

Auch die Verkehrssicherung entlang von Straßen und Wegen spiele eine Rolle.

Trockenheit und Hitze setzen den Buchen zu

Nach Angaben der Staatsforsten haben insbesondere die Trocken- und Hitzejahre seit 2015 die Vitalität vieler Bäume beeinträchtigt.

Gerade ältere Buchen reagierten zunehmend empfindlich auf anhaltende Trockenperioden.

Der Forstbetrieb verweist zudem auf die Orkane Vivian und Wiebke im Jahr 1990, die Teile der heutigen Waldstruktur geprägt hätten.

Geschädigte oder instabile Bäume würden dort entnommen, wo dies aus Gründen der Waldpflege oder Verkehrssicherheit erforderlich sei.

Konkrete Zahlen zum Umfang der aktuell geschädigten Bestände oder zu einem möglichen Schädlingsbefall nennt die Stellungnahme allerdings nicht.

Unterschiedliche Sicht auf Lücken im Kronendach

Ein wesentlicher Kritikpunkt der Waldschützer betrifft größere Öffnungen im Kronendach. Sie befürchten, dass dadurch der Waldboden stärker austrocknet und verbliebene Bäume zusätzlichen Belastungen ausgesetzt werden.

Der Forstbetrieb Ebrach widerspricht dieser Darstellung.

Die beschriebenen großflächigen Kronenöffnungen entsprächen nicht seiner Wahrnehmung der durchgeführten Maßnahmen. Die Eingriffe erfolgten punktuell und gezielt.

Mehr Licht sei vornehmlich für Baumarten wie Eiche und Elsbeere notwendig, die höhere Lichtansprüche als die Buche hätten.

Angestrebt werde kein offener Wald, sondern ein strukturreicher Mischwald mit unterschiedlichen Baumarten, Altersklassen und Höhenstufen.

Rückewege und Waldboden bleiben Streitpunkte

Auch beim Einsatz schwerer Forstmaschinen gehen die Einschätzungen auseinander.

Während die Kritiker mögliche Bodenverdichtungen und Beeinträchtigungen der Wasserspeicherung ansprechen, verweisen die Staatsforsten auf dauerhaft festgelegte Rückegassen.

Durch diese Konzentration der Befahrung solle der überwiegende Teil des Waldbodens geschont werden.

Die pauschale Behauptung, Rückewege würden die Wasserspeicherfunktion des Waldes erheblich beeinträchtigen oder verstärkten Wasserabfluss verursachen, weist der Forstbetrieb in dieser Form zurück.

Mehr Eiche, Elsbeere und andere Baumarten

Ein wichtiges Ziel der Staatsforsten ist nach eigenen Angaben die Entwicklung eines widerstandsfähigeren Mischwaldes.

Neben der Buche sollen insbesondere Eiche, Elsbeere, Kirsche, Spitzahorn, weitere Edellaubhölzer und Tanne gefördert werden.

Diese Mischung soll das Risiko verringern, dass durch Trockenheit, Hitze oder andere Schadereignisse große Teile eines Waldbestands gleichzeitig geschädigt werden.

Eine Verdrängung der Buche sei ausdrücklich nicht beabsichtigt. Sie solle auch künftig eine prägende Baumart des Steigerwalds bleiben.

Keine pauschale Schonung aller über 100 Jahre alten Wälder

Die Forderung des BUND Naturschutz, Holzeinschläge in über 100 Jahre alten Wäldern deutlich zu reduzieren, lehnt der Forstbetrieb in dieser pauschalen Form ab.

Entscheidend seien vielmehr der Zustand des Waldes, die Folgen des Klimawandels und die langfristige Entwicklung der Bestände.

Die Staatsforsten betonen außerdem, dass ein erheblicher Teil des anfallenden Holzes als Biotop- und Totholz im Wald verbleibe. Gleichzeitig werde Holz als nachwachsender Rohstoff für die regionale Wirtschaft bereitgestellt.

Forstbetrieb bietet gemeinsamen Waldtermin an

Zum Abschluss seiner Stellungnahme bietet Daniel Steuer einen gemeinsamen Vor-Ort-Termin an. Dabei könnten umgesetzte Maßnahmen und deren Ziele direkt im Wald erläutert werden.

Damit bleibt die zentrale Frage der Auseinandersetzung bestehen: Wie lässt sich der Steigerwald am besten auf den Klimawandel vorbereiten – durch eine zurückhaltendere Bewirtschaftung alter Buchenbestände oder durch gezielte Eingriffe zur Förderung eines vielfältigeren Mischwaldes?

Die Positionen der Beteiligten liegen weiterhin auseinander.

SW-N-TV wird die Diskussion um die Zukunft der Steigerwaldwälder weiter verfolgen.

Quelle: Stellungnahme Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Ebrach, Daniel Steuer; ursprüngliche Kritik von BUND Naturschutz und weiteren Waldschützern | Redaktion: SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten

 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des BUND Naturschutz und des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald.

Redaktionelle Bearbeitung: SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten

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