Medizinische Premiere in Würzburg: Neues Kunstherz erfolgreich implantiert
Bildunterschrift
Medizinische Premiere am UKW: Prof. Dr. Gloria Färber (links), Dr. Dejan Radakovic (Zweiter von rechts) und David Lorenz gemeinsam mit dem Patienten (Zweiter von links). Das Herzunterstützungssystem trägt der Patient in einer kleinen Tasche.
Foto: UKW / Stefan Dreising
Medizinische Premiere in Würzburg: Neues Kunstherz erfolgreich implantiert
Universitätsklinikum Würzburg gehört zu den ersten zehn Kliniken Europas, die das neue Herzunterstützungssystem einsetzen.
Würzburg. Ein medizinischer Fortschritt am Universitätsklinikum Würzburg (UKW): Erstmals wurde dort einem Patienten mit weit fortgeschrittener Herzschwäche ein neuartiges Herzunterstützungssystem implantiert. Der 60-jährige Mann aus Bayern hat den Eingriff gut überstanden und konnte bereits eine Rehabilitationsmaßnahme abschließen.
Die Klinik für Herz-, Thorax- und Thorakale Gefäßchirurgie gehört zu den ersten zehn Einrichtungen in Europa, die das neue System namens BrioVAD des Herstellers Briohealth einsetzen. In Deutschland steht die Technik nach Angaben des UKW bislang an drei Kliniken zur Verfügung.
Kleine Pumpe unterstützt das geschwächte Herz
Bei BrioVAD handelt es sich um ein sogenanntes linksventrikuläres Herzunterstützungssystem, kurz LVAD.
Anders als ein vollständiges künstliches Ersatzherz unterstützt dieses System das noch vorhandene Herz. Eine Pumpe wird an der linken Herzkammer eingesetzt und fördert zusätzlich Blut in den Körperkreislauf.
„Durch das System wird die Gesamt-Herzleistung normalisiert und zeitgleich das eigene Herz entlastet. Die Durchblutung und Sauerstoffversorgung wichtiger Organe verbessern sich“, erklärt Klinikdirektorin Prof. Dr. Gloria Färber.
Zu den Vorteilen des neuen Systems zählen nach Angaben des Klinikums seine kompakte Bauweise, das geringe Gewicht und die einfache Bedienung.
Mehr Bewegungsfreiheit im Alltag
Die implantierte Pumpe wird über ein externes Steuergerät und Akkus betrieben. Diese trägt der Patient in einer kleinen Tasche außerhalb des Körpers.
Ein Kabel, die sogenannte Driveline, verbindet die Pumpe mit der externen Technik.
Beim neuen System ist dieses Kabel deutlich dünner und flexibler gestaltet.
„Dies erleichtert die Handhabung im Alltag enorm“, erklärt Oberarzt Dr. Dejan Radakovic.
Die Patienten werden vor der Entlassung ausführlich im Umgang mit dem Gerät geschult.
Neue Perspektiven bei schwerer Herzschwäche
Herzunterstützungssysteme können bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Sie können die Wartezeit bis zu einer Herztransplantation überbrücken, dauerhaft die Herzfunktion unterstützen oder dem geschwächten Herzen Zeit zur Erholung geben.
Nach Angaben von Prof. Färber kann die Unterstützung durch ein solches System dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und den Betroffenen wieder einen aktiveren Alltag zu ermöglichen.
„Ich möchte wieder durch den heimischen Weinberg gehen“
Für den 60-jährigen Patienten aus Bayern hat mit dem Eingriff ein neuer Lebensabschnitt begonnen.
Die Operation fand bereits im August statt. Inzwischen hat der Mann seine Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen und gewöhnt sich an den Umgang mit dem Herzunterstützungssystem.
Für seine Zukunft hat er einen ganz persönlichen Wunsch:
„Ich möchte wieder durch den heimischen Weinberg gehen. Darauf freue ich mich.“
Ein Ziel, das zeigt, worum es bei solchen medizinischen Entwicklungen letztlich geht: Menschen mit schwerer Herzerkrankung wieder mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität zu ermöglichen.
Quelle: Universitätsklinikum Würzburg (UKW)
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