Wenn man den Altar aufmacht, wird’s hell!

 


Von links: Pfarrer Mulugeta Aga Giragn, Kirchenrat Helmut Braun, Bildhauerin Sabine Straub, Dekan Oliver Bruckmann. Bild: Heiko Kuschel 

Neue Prinzipalia für den evangelischen Kirchsaal Gut Deutschhof 


Schweinfurt-Gut Deutschhof. 

Seit 18 Jahren wird eine ehemalige Scheune im Gut Deutschhof als evangelischer Gottesdienstraum genutzt. Nun hat der Kirchsaal eigens für ihn gestaltete Prinzipalia erhalten: Altar, Kreuz, Taufstein, Osterkerzenständer und Lesepult bilden ein zusammengehöriges Ensemble. 

Im Rahmen eines festlichen Erntedankgottesdienstes wurden die neuen Elemente eingeweiht. Entworfen hat das Ensemble die Münchner Bildhauerin Sabine Straub. Anders als die bisher aus unterschiedlichen Zusammenhängen stammenden Einzelstücke sind die neuen Prinzipalia auf den Raum und seine besonderen Anforderungen abgestimmt. Die einzelnen Elemente sind beweglich und können je nach Anlass unterschiedlich angeordnet werden. Die Fläche für die Taufschale lässt sich wie eine Schublade unter den Altar schieben, sodass dieser schmaler wird.

Besonders prägend ist das Zusammenspiel der Materialien und Farben. Die Oberflächen bestehen aus überschmiedetem Aluminium, einem eher kühlen Material. Aus dem Inneren der Elemente leuchtet dagegen ein kräftiges Ginstergelb, das auch bei den neuen Sitzkissen aufgegriffen wird. „Wenn man den Altar öffnet, wird’s hell!“, erläuterte Sabine Straub bei der Vorstellung ihrer Arbeit. Pfarrer Mulugeta Aga Giragn begrüßte die Gottesdienstgemeinde und die Gäste, darunter den landeskirchlichen Kunstreferenten Kirchenrat Helmut Braun.

 Dieser hatte die Entstehung der neuen Prinzipalia über viele Jahre begleitet. „Wir haben heute, am Erntedankfest, viel zu danken!“, sagte Giragn. Dekan Oliver Bruckmann nahm in seiner Predigt das Erntedankfest und das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ von Joachim Neander auf. Auch angesichts von Not und Sorgen sei die Gemeinde eingeladen, zu feiern und den Raum festlich zu schmücken. Das neue, schwungvolle Kreuz erinnere an den Gastgeber der Feier, Gott selbst. Dass der Taufstein Teil des Altars ist, verweist zugleich auf die zentrale Bedeutung von Taufe und Abendmahl.

Allerdings ist das neue Ensemble noch nicht vollständig: Die vom Silberschmied neuaufbereiteten Abendmahlskelche und die Kanne für das Taufwasser waren zur Einweihung noch nicht eingetroffen. „Aber Sie kommen ja wieder!“, sagte Bruckmann augenzwinkernd. Bruckmann dankte der Künstlerin für ihr großes Engagement und ihre Einfühlung sowie dem Kunstfonds der Landeskirche, dem Dekanatsbezirk und der Geschwister-Volk-Stiftung, die das Projekt finanziell ermöglicht haben. Kirchenrat Braun würdigte die Arbeit von Sabine Straub und das entstandene Gesamtkunstwerk.

Als „Anwalt der Kunst“ sei er angesichts zunehmender Sparzwänge immer wieder in Sorge, dass solche Projekte „hinten herunterfallen“. Gerade solche Elemente seien aber das, „was die Seele beflügelt“.Dekan Bruckmann stellte die neuen Prinzipalia zugleich in einen größeren Zusammenhang. Im Dekanat Schweinfurt wurde erst in jüngster Vergangenheit die Friedenskirche Oerlenbach nach einem Brand entwidmet; sie wird nicht wieder aufgebaut. 

Die Konzentration auf weniger Standorte ermöglichte es zugleich, andere kirchliche Orte gezielt zu erhalten und weiterzuentwickeln.Die neuen Prinzipalia seien so eindeutig für den Kirchsaal Gut Deutschhof konzipiert, dass sie nicht einfach an einem anderen Ort aufgestellt werden könnten. „Es geht eben nicht alles den Bach runter!“, sagte Bruckmann. Die neue Ausstattung sei vielmehr ein klares Bekenntnis zum Standort Gut Deutschhof.

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