Wasserbüffel oder Wildponys bei Schwebheim? So soll die Unkenbachaue wieder zum Moor werden

 


Karl-Heinz Kolb (rechts) und Bernd Hertlein (dritter von rechts) informierten bei der vom grünen MdL Paul Knoblach organisierten Wanderung über die Fauna und Flora in der Unkenbachaue und ein geplantes Weideprojekt im Niedermoor. Foto Hannes Helferich

Einst gehörte die Unkenbachaue zu den bedeutendsten Niedermoorgebieten Nordbayerns. Dann verschwanden große Teile der wertvollen Feuchtgebiete. Jetzt soll die Natur zwischen Schwebheim, Grettstadt und den umliegenden Gemeinden wieder mehr Raum bekommen. Bei einer Wanderung mit dem Landtagsabgeordneten Paul Knoblach erfuhren über 30 Teilnehmer, wie das gelingen könnte – und welche Rolle dabei Wasserbüffel oder Exmoor-Ponys spielen sollen.

Vom bedeutenden Niedermoor zum Naturschutzprojekt

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg zählte die Unkenbachaue zwischen Sulzheim, Ober- und Unterspiesheim sowie Schwebheim zu den bedeutendsten Niedermoorlandschaften Nordbayerns.

Doch Entwässerung, Flurbereinigung und die Umwandlung von Wiesen in Ackerland führten dazu, dass die einst ausgedehnten Feucht-, Sumpf- und Streuwiesen nahezu vollständig verschwanden.

1999 wurde deshalb das Naturschutzprojekt „Unkenbachaue im Grettstädter Reliktengebiet“ ins Leben gerufen.

Seitdem konnten rund 18 Hektar renaturiert werden, überwiegend mit Mitteln aus dem Bayerischen Naturschutzfonds.

Auf ehemaligen Ackerflächen entstanden wertvolle Biotope, die heute wieder Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten bieten.

Unter der Trägerschaft des Landkreises Schweinfurt sollen die einzelnen Biotope durch Gräben besser miteinander verbunden werden. Langfristiges Ziel ist die Wiederherstellung eines größeren Moorgebietes.

Mehr als 30 Teilnehmer erkunden die Unkenbachaue

Wie groß das Interesse am Naturschutz vor der eigenen Haustür ist, zeigte eine mehrstündige Informationswanderung, zu der Paul Knoblach, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, eingeladen hatte.

Mehr als 30 Interessierte nahmen teil, darunter auch Schwebheims Bürgermeister Volker Karb.

Start- und Zielpunkt war der Wanderparkplatz Riedholz bei Schwebheim.

An insgesamt sechs Stationen informierten Karl-Heinz Kolb und Bernd Hertlein von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schweinfurt über die Besonderheiten der verschiedenen Schutzgebiete.

Dabei ging es unter anderem um die seltene Pflanzenwelt der Grettstädter Wiese, die große Vielfalt an Baum- und Gehölzarten im Naturwaldreservat Riedholz und den Sandmagerrasen in der „Sandfurt“.

Dort finden unter anderem seltene Pflanzen wie die Sand-Grasnelke und das Ohrlöffel-Leimkraut sowie Tierarten wie Kreiselwespe und Bienenwolf ihren Lebensraum.

Wasserbüffel oder Exmoor-Ponys als natürliche Landschaftspfleger

Besonders interessant ist das geplante Beweidungsprojekt nördlich des Moorhofs.

Auf einer Fläche von rund 15 Hektar sollen künftig möglicherweise Wasserbüffel oder Exmoor-Ponys eingesetzt werden.

Die Flächen sind durch die zunehmende Nässe, zu der auch die Aktivitäten des Bibers beitragen, landwirtschaftlich nur noch schwer nutzbar.

Die Tiere sollen die Vegetation unterschiedlich stark abweiden. Dadurch können abwechslungsreiche Lebensräume entstehen, in denen sich seltene Pflanzenarten besser entwickeln können.

Die Gemeinde Kolitzheim unterstützt das Vorhaben, indem sie entsprechende Flächen an den Landkreis verpachtet.

Auch Landwirt Alexander Bönig, dessen Hof an das Gebiet grenzt, zeigte Interesse daran, die Betreuung des Beweidungsprojekts zu übernehmen. Bei der Wanderung stand er den Teilnehmern persönlich Rede und Antwort.

Noch handelt es sich um ein geplantes Projekt. Welche Tiere tatsächlich eingesetzt werden, steht laut Pressemitteilung noch nicht fest.

Paul Knoblach: „Moore sind wichtige CO2-Speicher“

Für den Landtagsabgeordneten Paul Knoblach ist die Wiederherstellung der Moorlandschaft nicht nur eine Frage des Artenschutzes, sondern auch des Klimaschutzes.

Er betonte:

„Moore sind wichtige CO2-Speicher, allein deshalb ist dieses Projekt gerade in diesen Zeiten des massiv fortschreitenden Klimawandels so enorm wichtig. Dass ein schon einmal funktionierendes größeres Niedermoorgebiet wieder entsteht, ist nur zu begrüßen, aber auch nötig.“

Auch das große Interesse an der Wanderung wertete Knoblach positiv:

„Das unerwartete Interesse zeigt mir, dass Moorschutz, ihr Nutzen für unsere gebeutelte Umwelt und die Klimakrise doch sehr viele Menschen berührt“, erklärte der Abgeordnete aus Garstadt.

Weitere Informationswanderungen sind bereits geplant.

Ein Stück Natur bekommt eine neue Chance

Die Unkenbachaue zeigt, dass sich geschädigte Landschaften zumindest teilweise wiederherstellen lassen.

Rund 18 Hektar wurden bereits renaturiert. Mit der geplanten Beweidung auf weiteren rund 15 Hektar könnte ein weiterer Schritt hin zu einer zusammenhängenderen Moorlandschaft gelingen.

Ob dort künftig tatsächlich Wasserbüffel oder Exmoor-Ponys unterwegs sein werden, bleibt abzuwarten.

Fest steht: In der Unkenbachaue wird daran gearbeitet, einer fast verschwundenen Landschaft wieder eine Zukunft zu geben.

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen)

Redaktionell bearbeitet: Schweinfurter Nachrichten – SW-N-TV

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