Schweinfurt muss sparen: DGB warnt vor Folgen für Sportvereine und Jugendarbeit
Schweinfurt muss sparen: DGB warnt vor Folgen für Sportvereine und Jugendarbeit
SCHWEINFURT / UNTERFRANKEN. Die Finanzkrise der Kommunen hat längst konkrete Auswirkungen auf das Leben der Menschen. In Schweinfurt werden Zuschüsse für Sportvereine gekürzt, auch die Jugendarbeit muss mit deutlich weniger Geld auskommen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Unterfranken fordert deshalb mehr finanzielle Unterstützung für Städte, Gemeinden und Landkreise.
Anlass sind die bevorstehenden Verhandlungen zwischen der Bayerischen Staatsregierung und den kommunalen Spitzenverbänden über den kommunalen Finanzausgleich am 26. Oktober 2026.
Schweinfurt: Millionenbelastung und Kürzungen
Die finanziellen Schwierigkeiten der Stadt Schweinfurt sind erheblich. Nach Angaben des DGB muss die Stadt neun Millionen Euro Gewerbesteuer sowie drei Millionen Euro Zinsen zurückzahlen. Die Regierung von Unterfranken hat den Haushalt 2026 nicht genehmigt.
Hinzu kommt laut DGB eine Erhöhung der Bezirksumlage um fünf Millionen Euro im Jahr 2027.
Die Folgen treffen auch das Vereinsleben:
Die Förderung der Sportvereine wird 2026 pauschal um 20 Prozent gekürzt.
Die Mittel für den Stadtjugendring Schweinfurt sollen 2027 um 40 Prozent reduziert werden.
Björn Wortmann, Regionsgeschäftsführer des DGB Unterfranken, sieht darin eine Entwicklung, die längst bei den Bürgerinnen und Bürgern angekommen ist.
„In Aschaffenburg werden neue Projekte gestoppt, in Schweinfurt wird die Förderung von Sportvereinen pauschal um 20% im Jahr 2026 und die Gelder für den Stadtjugendring Schweinfurt im Jahr 2027 um 40% gekürzt. Das zeigt: Die kommunale Finanzkrise ist längst im Alltag der Menschen angekommen. Unsere Kommunen brauchen wieder Handlungsspielräume, statt den Mangel zu verwalten. Wenn Städte nur noch das Nötigste finanzieren können, bleibt unsere gemeinsame Zukunft auf der Strecke“, erklärt Wortmann.
Auch Aschaffenburg steckt in finanziellen Schwierigkeiten
Die Probleme beschränken sich nicht auf Schweinfurt. In Aschaffenburg liegen die Gewerbesteuereinnahmen nach Angaben des DGB rund 16 Millionen Euro unter den Erwartungen. Dort wurde eine Haushaltssperre verhängt.
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten die bayerischen Kommunen laut der Pressemitteilung insgesamt ein Finanzierungsdefizit von 4,05 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen die kommunalen Bauausgaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fünf Prozent zurück.
DGB fordert mehr Geld für Schulen, Kitas und soziale Einrichtungen
Der DGB warnt davor, dass notwendige Investitionen aufgeschoben und freiwillige Leistungen immer weiter eingeschränkt werden.
Gerade in einer Industrieregion wie Unterfranken seien leistungsfähige Kommunen wichtig, um den wirtschaftlichen Wandel zu bewältigen.
„Gerade in Unterfranken, in der sich Industrie und Arbeitswelt tiefgreifend verändern, brauchen wir leistungsfähige Kommunen. Gute Schulen und Kitas, eine verlässliche öffentliche Daseinsvorsorge und starke soziale Einrichtungen sind keine verzichtbaren Extras. Sie sichern Lebensqualität, entlasten Beschäftigte und ihre Familien und schaffen die Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung. Wer hier spart, verschärft die Probleme von morgen“, so Wortmann.
12,83 Milliarden Euro reichen nach Ansicht des DGB nicht aus
Der Freistaat Bayern hat den kommunalen Finanzausgleich für 2026 nach Angaben des DGB auf 12,83 Milliarden Euro erhöht.
Trotzdem sieht der Gewerkschaftsbund weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.
Er fordert eine stärkere Orientierung der Mittelverteilung am tatsächlichen Bedarf der Kommunen. Dabei sollen soziale, demografische und regionale Unterschiede stärker berücksichtigt werden.
Außerdem verlangt der DGB eine verlässliche Finanzierung laufender Aufgaben, sozialer Einrichtungen und der Jugendarbeit.
Schuldenbremse und Erbschaftsteuer im Blick
Um zusätzliche finanzielle Spielräume zu schaffen, fordert der DGB Unterfranken eine Reform der bayerischen Schuldenbremse.
Auch bei der Besteuerung großer Erbschaften und Schenkungen sieht der Gewerkschaftsbund Änderungsbedarf.
Nach Angaben des DGB wurden in Bayern 2025 im Rahmen der sogenannten Verschonungsbedarfsprüfung rund 2,37 Milliarden Euro an Schenkungsteuer erlassen.
Wortmann erklärt dazu:
„Es ist eine Frage der politischen Prioritäten und der Gerechtigkeit. Für öffentliche Aufgaben fehlt das Geld, während bei der Übertragung großer Vermögen milliardenschwere Steuerprivilegien bestehen. Wir brauchen eine gerechtere Finanzierung unseres Gemeinwesens, damit Städte und Gemeinden ihre Aufgaben verlässlich erfüllen können.“
Keine Einsparungen zulasten der Beschäftigten
Der DGB warnt außerdem vor Personalabbau, schlechteren Arbeitsbedingungen und der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen als Reaktion auf die Finanzprobleme.
Beschäftigte in Verwaltungen, Krankenhäusern, Bildungseinrichtungen, Bauhöfen und sozialen Einrichtungen müssten ihre Aufgaben weiterhin unter angemessenen Bedingungen erfüllen können.
Der Gewerkschaftsbund fordert deshalb, dass Bund und Freistaat die Kommunen finanziell so ausstatten, dass sie ihre Aufgaben dauerhaft wahrnehmen können.
Die entscheidende Frage bleibt: Wie können Städte wie Schweinfurt ihre Haushalte stabilisieren, ohne dass Vereine, Jugendliche und öffentliche Einrichtungen immer stärker unter den Sparmaßnahmen leiden?
Quelle: Pressemitteilung DGB Unterfranken
Redaktionell bearbeitet: Schweinfurter Nachrichten / SW-N-TV

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