Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Würzburger Initiative fordert mentale Ersthelfer
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Würzburger Initiative fordert mentale Ersthelfer
Fellows-Ride-Initiator Dieter Schneider stellt Forderungen im Bayerischen Landtag vor – Erste Kompaktkurse für Unternehmen am 25. November in Würzburg
Würzburg/München. Psychische Erkrankungen frühzeitig erkennen, Betroffene unterstützen und den Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern: Dafür setzt sich der Würzburger Dieter Schneider mit seiner Initiative „Fellows Ride“ ein.
Beim Parlamentarischen Abend zum 1. Bayerischen Präventionstag am 12. Oktober 2026 im Bayerischen Landtag stellte Schneider seine Forderungen für eine bessere Prävention psychischer Erkrankungen vor. Unter dem Leitmotiv „Psychische Gesundheit ist Standortpolitik!“ übergab er ein Positionspapier mit zehn Forderungen an die Politik.
Sein zentrales Anliegen: In Unternehmen sollen mentale Ersthelfer künftig ebenso selbstverständlich werden wie klassische Ersthelfer oder Brandschutzhelfer.
Psychische Krisen früher erkennen
Dieter Schneider gründete die Initiative Fellows Ride nach dem Suizid seines Sohnes. Seither engagiert er sich dafür, Depressionen und andere psychische Erkrankungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
In seinem Vortrag verwies Schneider auf die hohe Zahl der Suizide in Deutschland und auf die langen Zeiträume, die zwischen dem Auftreten einer psychischen Erkrankung und dem Beginn einer Behandlung vergehen können.
„Psychische Erkrankungen treffen noch immer auf eine unvorbereitete Gesellschaft. Zwischen dem ersten Erkennen einer Krise und der professionellen Behandlung darf niemand verloren gehen“, erklärte Schneider.
Aus seiner Sicht müsse die Gesellschaft lernen, Warnsignale früher wahrzunehmen und Menschen in psychischen Krisen angemessen zu unterstützen.
Unterstützung aus der Politik und Medizin
An der Veranstaltung nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Medizin, Krankenkassen und Rentenversicherung teil.
Die Würzburger Landtagsabgeordnete Dr. Andrea Behr, Mitglied des Gesundheitsausschusses, moderierte den Abend mit und unterstrich die Bedeutung einer offenen Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen.
„Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein. Wer seelisch erkrankt, braucht Verständnis statt Vorurteile und schnelle Hilfe statt langer Wartezeiten“, erklärte Behr.
Mit Prof. Dr. Marcel Romanos, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Würzburg, war ein weiterer Würzburger Experte auf dem Podium vertreten.
Mentale Ersthelfer für Betriebe: Kompaktkurs in Würzburg
Die Initiative setzt ihre Forderungen auch praktisch um. Gemeinsam mit dem Zentrum für Psychische Gesundheit (ZfPG) wurde in Würzburg das Programm „Erste Hilfe Mentale Gesundheit“ (EMG) entwickelt.
Die Kurse sollen Menschen befähigen, psychische Krisen frühzeitig zu erkennen, angemessen zu reagieren und Betroffene auf dem Weg zu professioneller Unterstützung zu begleiten.
Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen sollen damit die Möglichkeit erhalten, Beschäftigte ohne eigene betriebliche Gesundheitsabteilung entsprechend schulen zu lassen.
Der nächste Kompaktkurs findet am Mittwoch, 25. November 2026, von 13 bis 17 Uhr in der Gründerwerkstatt Würzburg der Vogel Communications Group statt.
Das vierstündige Angebot richtet sich an Mitarbeitende, Führungskräfte und Personalverantwortliche regionaler Unternehmen.
Fellows Ride: Mit Motorrädern auf Depressionen aufmerksam machen
Fellows Ride ist ursprünglich durch Motorraddemonstrationen bekannt geworden, mit denen die Initiative auf Depressionen und Möglichkeiten der Hilfe aufmerksam macht.
Ehrenamtliche Teams organisieren Veranstaltungen an verschiedenen Standorten, sammeln Spenden und unterstützen damit regionale Projekte zur Depressionshilfe.
Mittlerweile ist Fellows Ride auch international aktiv, unter anderem in Österreich, der Schweiz, Portugal, Rumänien und den USA.
Die Spenden werden von der Stiftung Depression-Inklusion von Thomas Lurz und Dieter Schneider verwaltet.
Weitere Informationen: www.fellowsride.com
Hilfe bei psychischen Krisen
Menschen in akuten psychischen Krisen oder mit Suizidgedanken finden kostenlos und anonym Unterstützung bei der TelefonSeelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
In Bayern sind außerdem die Krisendienste Bayern unter 0800 655 3000 erreichbar.
Bei unmittelbarer Lebensgefahr gilt die Notrufnummer 112.
Quelle: Pressemitteilung Fellows Ride vom 27. Oktober 2026
Redaktionelle Bearbeitung: SW-N-TV / Schweinfurter Nachrichten

Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Vielen Dank für Ihre Nachricht . Das SW-N.TV Team