Großrazzia wegen gefälschter Sprachzertifikate: Sieben Festnahmen und Fälscherwerkstatt entdeckt
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Großrazzia wegen gefälschter Sprachzertifikate: Sieben Festnahmen und Fälscherwerkstatt entdeckt
Über 350 Polizeibeamte im Einsatz – mehr als 30 Objekte durchsucht – Ermittlungen der Aschaffenburger Polizei reichen bis nach Österreich
ASCHAFFENBURG / BAYERN / NORDRHEIN-WESTFALEN. Gefälschte Sprachzertifikate, falsche Ausweise und sogar Stellvertreter bei Sprachprüfungen: Die Aschaffenburger Polizei und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln seit 2025 gegen eine mutmaßlich organisierte Tätergruppierung. Jetzt gelang den Ermittlern bei einer großangelegten Aktion ein weiterer Schlag gegen das Netzwerk.
Am Mittwoch, 21. Oktober 2026, wurden mehr als 30 Objekte überwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Raum München durchsucht. Insgesamt sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 26 und 46 Jahren wurden festgenommen.
Sprachzertifikate für Einbürgerungen illegal beschafft
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Sprachzertifikate, die unter anderem bei Einbürgerungsverfahren und Anträgen auf Niederlassungserlaubnis benötigt werden.
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Mitglieder der Gruppierung solche Zertifikate gefälscht oder auf andere Weise illegal beschafft und an zahlreiche Personen weitergegeben haben.
Die Ermittler gehen von einer mittleren zweistelligen Zahl tatverdächtiger Personen aus. Im dreistelligen Bereich sollen Menschen auf diesem Weg illegale Sprachzertifikate erhalten haben.
Die Fälle erstrecken sich auf das gesamte Bundesgebiet und auch auf Österreich.
Nicht selbst zur Prüfung gegangen – sondern einen Stellvertreter geschickt
Besonders auffällig ist die mutmaßliche Vorgehensweise der Beteiligten.
Anfangs wurden nach Erkenntnissen der Polizei vor allem vollständig gefälschte Sprachzertifikate bei den Ausländerbehörden eingereicht.
Nachdem die Behörden verstärkt auf solche Fälschungen achteten, sollen zunehmend Stellvertreter eingesetzt worden sein.
Das bedeutet: Nicht der eigentliche Antragsteller nahm an der Sprachprüfung teil, sondern eine andere Person, die sich mithilfe gefälschter Identitätspapiere als Antragsteller ausgab.
Mehr als 350 Einsatzkräfte bei Großrazzia
Für die Ermittlungen wurde bei der Aschaffenburger Polizei die Ermittlungskommission „Kiosk“ eingerichtet.
Bereits am 2. Juli hatten Polizeibeamte elf Objekte mit Schwerpunkt im Raum Köln durchsucht. Dabei wurden unter anderem gefälschte Ausweise, Sprachzertifikate und Einbürgerungsurkunden sichergestellt.
Am 21. Oktober folgte die nächste große Aktion.
Über 350 Polizeibeamte aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, Kräfte der Bundespolizei sowie des österreichischen Bundeskriminalamts waren beteiligt. Auch zwei Staatsanwälte aus Aschaffenburg begleiteten den Einsatz. Die Maßnahmen erfolgten zudem in Abstimmung mit Europol.
Professionelle Fälscherwerkstatt entdeckt
Bei den Durchsuchungen stießen die Einsatzkräfte auf eine professionell eingerichtete Fälscherwerkstatt.
Dort befanden sich mehrere hochwertige Drucker, mit denen mutmaßlich falsche Dokumente und Ausweise hergestellt wurden.
Außerdem stellten die Beamten eine scharfe Schusswaffe, Bargeld in mittlerer fünfstelliger Höhe sowie kleinere Mengen abgepackter Betäubungsmittel sicher. Letztere waren nach Einschätzung der Ermittler möglicherweise zum Verkauf bestimmt.
Die beschlagnahmten Beweismittel werden nun ausgewertet.
Sieben Tatverdächtige festgenommen
Bei der jüngsten Aktion wurden sieben Personen im Alter von 26 bis 46 Jahren festgenommen und Ermittlungsrichtern in Aschaffenburg beziehungsweise Nordrhein-Westfalen vorgeführt.
Gegen sie bestehen Haftbefehle insbesondere wegen des dringenden Verdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Straftaten.
Die Beschuldigten besitzen nach Polizeiangaben die deutsche, syrische, irakische, jordanische beziehungsweise rumänische Staatsangehörigkeit.
Sechs der sieben Festgenommenen befinden sich nach dem mitgeteilten Stand in Untersuchungshaft. In einem Fall wurde der Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Ermittlungen gehen weiter
Mit der Großrazzia ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen. Die Aschaffenburger Polizei und die Staatsanwaltschaft setzen ihre Ermittlungen fort. Dabei arbeiten sie weiterhin mit Behörden in Deutschland und Österreich zusammen.
Wichtig: Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Quelle: Polizeipräsidium Unterfranken / Staatsanwaltschaft Aschaffenburg
Redaktionell bearbeitet: Schweinfurter Nachrichten / SW-N-TV

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