Der Würzburger Hämatologe erhält in Stockholm den Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award für seine wegweisende Rolle in der Entwicklung moderner Myelomtherapien
Prof. Dr. Hermann Einsele wurde am 9. Juni 2026 im Rahmen des 17. Kongresses der International Myeloma Working Group (IMWG) in Stockholm mit dem Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award der International Myeloma Foundation geehrt. Die International Myeloma Working Group ist ein globales Netzwerk führender Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet. Der nach seinem ersten Preisträger benannte Preis würdigt Personen, deren Lebenswerk auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms wesentliche Fortschritte in Forschung, Behandlung und Patientenversorgung ermöglicht hat. Wenige Tage zuvor, am 4. Juni 2026, wurde Hermann Einsele in Piacenza (Italien) für seine außergewöhnlichen wissenschaftlichen Beiträge zum Verständnis, zur Diagnose und zur Behandlung des Multiplen Myeloms mit dem Francesca Cassinelli Award 2025 ausgezeichnet.
Stockholm/Würzburg. Er gilt als Pionier und Visionär, ist einer der einflussreichsten und angesehensten Wissenschaftler der Universitätsmedizin Würzburg, ein weltweit geschätzter Netzwerker und ein herausragender Mentor. Er hat Generationen von Klinikern und Wissenschaftlern inspiriert und motiviert und ist ein unermüdlicher Fürsprecher für die Belange der Patientinnen und Patienten. Das ist Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Der Internist, Hämatologe und Onkologe ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms und forscht zu den Themen CAR-T-Zell-Therapie, bispezifische Antikörper, adoptive Immuntherapie und Stammzelltransplantation. Mit seiner Arbeit hat er die Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig verbessert und das wissenschaftliche Verständnis der Erkrankung maßgeblich geprägt. Für dieses herausragende Lebenswerk erhielt er am 9. Juni 2026 in Stockholm den Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award.
Der Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award ist eine der höchsten internationalen Auszeichnungen in der Myelom-Forschung. Seit 2003 wird er von der International Myeloma Foundation an Persönlichkeiten verliehen, die durch jahrzehntelange wissenschaftliche und klinische Arbeit entscheidend zum Fortschritt in der Diagnose und Behandlung des Multiplen Myeloms beigetragen haben. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Der Preis ist benannt nach dem ersten Preisträger, Robert A. Kyle, einem Pionier der Myelomforschung.
„Diese Auszeichnung gehört nicht nur mir, sondern einem gesamten Team“
„Es ist eine große Ehre, diesen prestigeträchtigen Preis zu erhalten, insbesondere, da er den Namen eines Giganten auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms trägt: Robert Kyle. Ich bin ihm zutiefst dankbar für seine Vorbildfunktion für Generationen von Myelom-Forschern, seine unermüdliche Hingabe an seine Patienten und seine feste Überzeugung, dass Forschung letztlich den Patienten zugutekommen muss“, kommentiert Hermann Einsele die Auszeichnung. „Diese Auszeichnung gehört nicht mir allein, sondern einem gesamten Team hervorragender Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studienleiterinnen und Studienleiter sowie Pflegekräfte in Würzburg, die mit außergewöhnlichem Engagement daran arbeiten, die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten wirksamer und verträglicher zu gestalten. Mein besonderer Dank gilt auch den vielen Kolleginnen und Kollegen der internationalen Myelom-Gemeinschaft, deren Vertrauen, Zusammenarbeit, Unterstützung und Freundschaft diesen Erfolg ermöglicht haben.“
„Prof. Einseles Pionierarbeit in der Immun- und Zelltherapie hat die Behandlungsmöglichkeiten weltweit neu definiert“
In Stockholm wurde neben dem Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award auch der Brian G. M. Durie Outstanding Achievement Award verliehen. Die diesjährige Preisträgerin ist Prof. Dr. Noopur Raje. Sie ist Direktorin des Center for Multiple Myeloma, Inhaberin des Rita M. Kelley Chair in Oncology am Massachusetts General Hospital Cancer Center und Professorin für Medizin an der Harvard Medical School. Raje zählt weltweit zu den führenden Expertinnen für Multiples Myelom und Plasmazellerkrankungen.
Der Vorsitzende des Vorstands des International Myeloma Foundation (IMF), Dr. S. Vincent Rajkumar, würdigte beide Preisträger: „Prof. Einsele und Prof. Raje haben das Gebiet des Multiplen Myeloms durch bahnbrechende wissenschaftliche Führungsarbeit, außergewöhnliche klinische Expertise und ihr unerschütterliches Engagement für die Patienten nachhaltig geprägt. Prof. Einseles Pionierarbeit in der Immun- und Zelltherapie hat die Behandlungsmöglichkeiten weltweit neu definiert, während Prof. Rajes Führungsrolle in der translationalen Forschung und bei innovativen Therapien die Zukunft der Myelomversorgung entscheidend mitgestaltet.“
Auch die Präsidentin und CEO der IMF, Heather Cooper Ortner, gratulierte: „Herzlichen Glückwunsch an Prof. Einsele und Prof. Raje zu diesen hochverdienten Auszeichnungen! Durch ihre Innovationskraft, ihr Engagement und ihre Führungsstärke haben sie die Myelomforschung vorangebracht und das Leben von Patienten und Angehörigen weltweit nachhaltig verbessert.“
Stimmen aus Würzburg zur Auszeichnung:
Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät in Würzburg: „Ich freue mich außerordentlich, dass Hermann Einsele von der International Myeloma Foundation mit dem Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award ausgezeichnet wurde. Er ist einer der angesehensten und einflussreichsten Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät in Würzburg. Doch er ist noch weit mehr als das: ein außergewöhnlicher Netzwerker, der in der gesamten Universität höchstes Ansehen genießt und maßgeblich zu ihrem wissenschaftlichen Profil beiträgt. Vor allem aber ist er ein lieber und treuer Freund. Herzlichen Glückwunsch, Hermann.“
Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des UKW: „Hermann Einsele, Professor und Lehrstuhlinhaber für Hämatologie und Onkologie an unserem Universitätsklinikum, hat das Feld der Myelomforschung grundlegend geprägt. Konsequent hat er die Brücke zwischen wissenschaftlicher Entdeckung im Labor und klinischer Anwendung geschlagen und damit wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete therapeutische Fortschritte überführt. Doch über seine wissenschaftliche Exzellenz hinaus zeichnet ihn vor allem sein unerschütterliches Engagement für die Menschen hinter der Erkrankung aus. Sein Wirken wird auch künftige Generationen leiten und inspirieren. Herzlichen Glückwunsch zum Robert A. Kyle Achievement Award – mehr als verdient.“
Prof. Dr. Paul Pauli, Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg: „Herzlichen Glückwunsch zum Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award! Hermann Einsele hat diese Auszeichnung mehr als verdient. In den vergangenen Jahren hat er an unserer Universität herausragende Beiträge zur Hämatologie und Onkologie geleistet und insbesondere das Gebiet der Immuntherapie entscheidend vorangebracht. Besonders bemerkenswert ist, dass es ihm gelungen ist, seine Forschungsergebnisse erfolgreich in die klinische Praxis zu übertragen. Zahlreiche Patientinnen und Patienten konnten unmittelbar von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren.“
Prof. Dr. Sophia Danhof, Professorin für Zelluläre Immuntherapie bei malignen Erkrankungen am UKW: „Hermann Einsele ist zweifellos ein Visionär auf seinem Fachgebiet. Durch seine zahlreichen wegweisenden Beiträge hat er entscheidende Fortschritte in der Diagnostik und – ebenso wichtig – in der Behandlung des Multiplen Myeloms vorangetrieben. Mit seiner Arbeit hat er eine Ära der Myelomforschung maßgeblich geprägt und uns an die Schwelle eines Paradigmenwechsels geführt: die Möglichkeit, die Erkrankung bei einem Teil unserer Patientinnen und Patienten tatsächlich zu heilen. Darüber hinaus hat er viele junge Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler inspiriert und gefördert – mich eingeschlossen. Und trotz seines tiefen Engagements für die Forschung hat er seine Leidenschaft für die individuelle Betreuung seiner Patientinnen und Patienten nie verloren. Herzlichen Glückwunsch zu dieser wohlverdienten Auszeichnung!“
Prof. Dr. Michael Hudecek, Lehrstuhlinhaber Zelluläre Immuntherapie am UKW: „Hermann Einsele hat diese Auszeichnung mehr als verdient: Er ist eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit, ein herausragender Mentor, ein leidenschaftlicher Kliniker, ein innovativer Forscher und ein unermüdlicher Fürsprecher für die Belange der Patientinnen und Patienten. Er zieht Erfolg geradezu an, und es war mir in den vergangenen Jahren eine große Freude und Ehre, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich freue mich auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit.“
PD Dr. Sabrina Kraus, Oberärztin des Zentrums für allogene Stammzelltherapien am UKW: „Viele Menschen kennen Professor Einsele für seine wissenschaftlichen Leistungen. Was jedoch nicht immer sichtbar ist, ist sein Alltag: Auf den Stationen präsent zu sein, mit Patientinnen und Patienten zu sprechen, für sein Team da zu sein und junge Kolleginnen und Kollegen zu ermutigen, eigene Forschungsprojekte zu beginnen. Trotz all seiner Aufgaben ist genau dieses tägliche Engagement das, was mich am meisten beeindruckt hat. Er hat mir gezeigt, dass es möglich ist, den engen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten zu halten und gleichzeitig Forschung auf höchstem Niveau zu betreiben. Ich freue mich sehr für ihn. Diese Auszeichnung ist mehr als verdient.“
Prof. Dr. Maik Luu, Juniorprofessor für Translationale Medizin am UKW: „Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Auszeichnung. Wir alle kennen Hermann Einsele als einen Pionier der Myelomforschung und Patientenversorgung. Persönlich möchte ich ihm jedoch auch dafür danken, dass er ein Mentor ist, zu dem wir aufschauen können – jemand, der Generationen von Klinikerinnen und Klinikern sowie Medizinwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern inspiriert und unterstützt hat. Ich hoffe sehr, dass Hermann Einsele uns auch in Zukunft weiterhin mit seinem Engagement, seiner Expertise und seiner Begeisterung inspiriert.“
Dr. Anna Fleischer, Clinician Scientist am UKW: „Wir versuchen derzeit, einen Weg zu finden, Hermann Einsele vor seinem Ruhestand zu klonen – nicht nur wegen seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch, weil er Vertrauen und Hoffnung vermittelt. Mit seiner ruhigen, freundlichen, fröhlichen und aufbauenden Art gibt er seinen Patientinnen und Patienten selbst in den schwierigsten Situationen Zuversicht und Hoffnung. Herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderbaren und wahrhaft verdienten Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award!”
Werdegang und Auszeichnungen von Prof. Dr. Hermann Einsele
Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Tübingen, Manchester und London wurde Hermann Einsele wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie und Immunologie der Universität Tübingen. 1991 erhielt der gebürtige Stuttgarter die Facharztanerkennung für Innere Medizin, 1996 für Hämatologie und Onkologie. 1999 wurde Einsele zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Darüber hinaus war er Gastprofessor am City of Hope Hospital in Duarte (Kalifornien) sowie am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (Washington). Im Jahr 2003 erhielt er bereits den van-Bekkum-Preis, die höchste europäische Auszeichnung für Forschung auf dem Gebiet der Stammzelltransplantation.
2011 wurde er zum Ehrenmitglied des Royal College of Pathologists (London) gewählt und 2012 als Nobel Lecturer für Stammzellbiologie und Transplantation am Nobel Forum des Karolinska-Instituts eingeladen. 2014 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und 2017 als „Highly Cited Researcher“ in der Kategorie Klinische Medizin ausgezeichnet.
Von 2011 bis 2015 sowie erneut seit 2022 ist Hermann Einsele Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg. Zudem war er Mitglied des Beirats im Förderprogramm „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie von 2015 bis 2021 Vizepräsident der Universität Würzburg. Seit 2018 leitet er die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Immuntherapie hämatologischer Erkrankungen der European Hematology Association. Seit 2023 ist er Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT WERA.
2022 erhielt Einsele den Erasmus Hematology Award des Erasmus University Medical Center Rotterdam sowie die Bayerische Verfassungsmedaille. 2023 wurde ihm der Emil-von-Behring-Preis der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie verliehen, außerdem wurde er in die Academia Europaea aufgenommen. 2024 wurde er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und erhielt den Ken Anderson Basic and Translational Research Award der International Myeloma Society. Wenige Tage vor dem Robert A. Kyle Lifetime Achievement Award erhielt er für seine außergewöhnlichen wissenschaftlichen Beiträge zum Verständnis, zur Diagnose und zur Behandlung des Multiplen Myeloms am 4. Juni in Piacenza (Italien) den Francesca Cassinelli Award 2025.
Über die International Myeloma Foundation (IMF)
Die 1990 gegründete International Myeloma Foundation (IMF) ist die weltweit führende Organisation im Kampf gegen das Multiple Myelom. Ihr Ziel ist es, die Prävention und Heilung dieser Erkrankung zu beschleunigen und die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien zu verbessern.
Die IMF unterstützt Betroffene in allen Krankheitsstadien durch Spitzenforschung, verlässliche Aufklärung, internationale Interessenvertretung und direkte Hilfsangebote. Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist die International Myeloma Working Group (IMWG), ein Netzwerk von mehr als 380 weltweit renommierten Forschern und Klinikern, die internationale Leitlinien für Diagnose, Behandlung und Betreuung von Myelompatienten entwickeln.
Über ihr weltweites Netzwerk von Selbsthilfegruppen, Bildungsprogrammen, die rund um die Uhr verfügbare KI-basierte Myelomassistenz Myelo®, die InfoLine sowie ihr Engagement für einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung unterstützt die IMF Betroffene und Angehörige bei Diagnose, Therapie und Langzeitbetreuung und sorgt gleichzeitig dafür, dass wissenschaftliche Fortschritte den Patientinnen und Patienten unmittelbar zugutekommen. Weitere Informationen: www.myeloma.org und www.myeloma.org/international-myeloma-working-group

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