Ein steigender Bedarf an Hilfe trifft auf eine rückläufige Spendenbereitschaft: Vor dieser Herausforderung steht derzeit die Stiftung „Schweinfurt hilft Schweinfurt“. Bei der Frühjahrsversammlung machten Vorsitzender Karl-Heinz Körblein und sein Stellvertreter, Diakonie-Vorstand Carsten Bräumer, deutlich, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung immer mehr Menschen in Not bringe, während gleichzeitig weniger Geld für Unterstützung zur Verfügung stehe.
Die 1993 gegründete Stiftung, die vom Diakonischen Werk und dem Schweinfurter Tagblatt getragen wird, konnte in den vergangenen Jahren regelmäßig rund 50 Hilfsfälle unterstützen. Im Jahr 2025 war dies aufgrund geringerer Spendeneinnahmen nur noch in etwa 35 Fällen möglich. Durchschnittlich wurden dabei rund 500 Euro ausgezahlt.
Um das bisherige Hilfsniveau von etwa 20.000 Euro jährlich aufrechtzuerhalten, beschlossen die Verantwortlichen erneut, auf Rücklagen zurückzugreifen. Dadurch soll auch 2026 in rund 35 Fällen schnelle Hilfe für Menschen in akuten Notlagen möglich sein.
Wie dringend diese Unterstützung gebraucht wird, zeigen aktuelle Beispiele. Ein 40-Jähriger, der aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht arbeiten kann und Bürgergeld bezieht, erhielt 400 Euro für einen neuen Herd. Zwischenzeitlich hatte er sich mit einem geliehenen Campingkocher beholfen. Ebenfalls 400 Euro wurden einem Rentner bewilligt, dessen niedrige Altersrente keinen Ersatz für seinen defekten Elektroherd zuließ. Einer alleinerziehenden Mutter mit mehreren Kindern half die Stiftung mit 550 Euro bei der Anschaffung eines Wäschetrockners, der die schwierige Situation in der kleinen Wohnung deutlich erleichtert.
Trotz der angespannten Lage dankten Karl-Heinz Körblein, Carsten Bräumer und die Vorsitzende des Kuratoriums, Christiane Michal-Zaiser, den Unterstützern der Stiftung. Im vergangenen Jahr gingen knapp 22.000 Euro an Spenden ein. Zu den größeren Einzelspendern zählten die Gunsenheimer-Stiftung mit 5000 Euro, die VR-Bank mit 2000 Euro, Jörg Schöner mit dem Erlös eines Konzerts in Höhe von 1140 Euro, die Baufirma Pfister mit 2000 Euro sowie der Betriebsrat von Schaeffler mit 950 Euro. Zudem verzeichnete die Stiftung zahlreiche kleinere Einzelspenden. Körblein führte dies unter anderem auf kostenfreie Anzeigen im Tagblatt sowie eine Flyer-Aktion zurück. Rund 3000 Euro flossen außerdem über von der Justiz verhängte Geldbußen an die Stiftung.
Ein weiteres Thema der Versammlung war das Ende des sogenannten Fit-Programms. Nachdem die Stadt die Vereinbarung zur Energieberatung für Empfänger von Sozialleistungen und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zum Jahresende 2025 gekündigt hatte, musste auch das Projekt eingestellt werden. Dabei hatten Energieberater in Haushalten Stromfresser aufgespürt und den Austausch veralteter Geräte ermöglicht, um Stromsperren und Verschuldung vorzubeugen. Die Stiftung hatte das Programm jährlich mit 10.000 Euro unterstützt.
Nachdem ein Appell an den früheren Oberbürgermeister ohne Erfolg geblieben war, wollen die Verantwortlichen nun das Gespräch mit Oberbürgermeister Ralf Hofmann suchen. Dabei soll es nicht nur um die Zukunft der Energieberatung gehen, sondern auch um die aus Sicht der Stiftung zunehmende Armut in der Region.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Vielen Dank für Ihre Nachricht . Das SW-N.TV Team