Schneiden. Ach.
Was war das wieder für ein Wetter! Ende Februar, und ich erwarte ja nun wirklich langsam den Frühling. Stattdessen hat es geschneit – und zwar nicht dieser poetische „Leise rieselt der Puderzucker“-Schnee, sondern der aggressive, horizontal einfallende Typ, der einem ins Gesicht klatscht wie eine schlecht gelaunte Serviette.Greta fand das super. Greta ist mein Hund, und ihr wurde heute in Kleinsteinach das Fell geschnitten. Nicht „ein bisschen in Form gebracht“, nicht „Spitzen“, sondern: runter mit der Winteredition. Der Pelzmantel musste weg. Während ich also darüber nachdenke, ob ich bei dem Wetter überhaupt noch eine Zukunft habe, marschiert Greta mit der Selbstverständlichkeit eines Wesens, das weiß: Am Ende wartet ein warmer Raum und jemand mit einer Schere. Der Weg ist lang. Der Schnee knirscht. Die Gedanken schleichen sich aus dem Kopf. Erst geht der Gedanke an den Frühling, dann der Vorsatz, mehr Ordnung zu halten, und schließlich dieses ominöse „Ich sollte mal wieder…“. Alles stapft davon, vermutlich Richtung März. Was raus muss, muss raus. Bei mir sind es Gedanken. Bei Greta: Fell. Und dieses Fell! Über Wochen angesammelt wie gute Vorsätze – dicht, widerspenstig und mit einer eigenen Meinung zur Windrichtung. Kleinsteinach wird heute Zeuge eines haarigen Großprojekts. Im Salon dann dieser Geruch aus Shampoo, nassem Hund und stillem Optimismus. Greta wird auf den Tisch gehoben und blickt mich an, als hätte ich sie gerade an ein Zeugenschutzprogramm verkauft. Die Maschine summt. Es schneit. Nicht draußen – auf den Boden. Graue, braune, undefinierbare Winterreste rieseln herab wie die letzten Argumente gegen den Frühling. Da liegt er nun, der Januar. Und ein Teil vom Dezember. Sogar dieser Matschspaziergang von letzter Woche scheint dabei gewesen zu sein. Mit jedem Schnitt wird Greta kleiner. Also nicht wirklich – aber optisch. Wo vorher ein flauschiger Ottomane stand, sitzt nun ein athletisch wirkendes Wesen mit Beinen! Am Ende steht sie da: gesäubert, geschniegelt ist bei Hunden natürlich relativ – sagen wir: entfilzt. Frisch geschoren, geschniegelt im Herzen und mit dem Blick einer, die sich fragt, ob das wirklich nötig war. Draußen schneit es noch immer. Der Wind fährt ihr durchs neue Fell und entscheidet sich spontan für: „frech“. Und wie immer gilt: Was raus muss, muss raus.
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