Streichung Willy Sachs aus der Ehrenbürgerliste stärkt Schweinfurt

 „Schweinfurt ist bunt“ unterstützt Initiative

 



In der Vollversammlung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz „Schweinfurt ist bunt“ am 08. Oktober diesen Jahres wurde das Jahr 2021 zu unserem „Jahr gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rassismus“ ausgerufen.

 

„Die nationalsozialistische Ideologie, die Willy Sachs vertrat, war und ist zu tiefst menschenfeindlich. Weil Rassismus und Antisemitismus nicht nach Schweinfurt passen, stärkt die Streichung der Person Willy Sachs aus der Ehrenbürgerliste die Stadt Schweinfurt. “, so Wolfgang Günther vom Bund für Geistesfreiheit und Gründungsmitglied des Bündnisses.. Günther dankt der Initiative gegen das Vergessen für ihren Einsatz und ihre Arbeit. Seit Jahren wurde recherchiert, Belege gesammelt und Kontakte mit Historikern gesucht. Für Wolfgang Günther sind die Ergebnisse eindeutig und die daraus zu ziehenden Konsequenzen klar.

 

Belegt ist zum Beispiel, dass Sachs „aus einem roten einen brauen Betrieb“ machen wollte. Das war seine Gesinnung. „Am 02.Mai 1933 haben SS und Gestapo die freien Gewerkschaften gewaltsam zerschlagen. Auch in Schweinfurt. Viele unserer Kollegen*innen wurden in die Gefängnisse und KZs gesteckt. Fritz Soldmanns Leidensweg ist ein Schweinfurter Beispiel“, so Katharina Christa von der IG Metall Jugend Schweinfurt.

„In den Betrieben gab es fortan keine Möglichkeiten mehr sich frei in Gewerkschaften zu betätigen. Auch bei Sachs nicht. Betriebsratswahlen wurden ausgesetzt. Mitbestimmung wurde ersetzt durch das Führerprinzip. Aus Mitarbeitern wurden Untertanen. Diese Ideologie vertrat Willy Sachs.“, sagt Christa. Dennoch waren es die „Sachser“ die das Geld erarbeiteten, das für den Stadionbau verwendet wurde. Umso richtiger sei es, den Namen „Sachs- Stadion“ zu wählen.

Sie freue sich, dass auch der FC 05 Schweinfurt, der auch Mitglied im Bündnis „Schweinfurt ist bunt“ ist, die Namenskorrektur begrüßt.

 


Babs Günther, Sprecherin des Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft, ergänzt: im Kern ist Willy Sachs kein Ehrenbürger der Stadt. Dafür gab es im Gegensatz zu weiteren Ehrenbürgern und Ehrenbürgerinnen keinen demokratischen Beschluss. Wie auch. Der Oberbürgermeister Pösl wurde ebenso wie der Stadtrat von den Nazis eingesetzt, nicht gewählt.

Demokratische Parteien waren verboten, viele ihrer Mitglieder wurden in KZ verschleppt, gefoltert und getötet. „Wir müssen auch hier vor Ort klar benennen, wer hat überragendes für eine freie Gesellschaft, für demokratisches Zusammenleben und eine friedliche Entwicklung der Stadt getan. Diese Menschen haben die Würde der Ehrenbürgerschaft verdient. Willy Sachs nicht.“ so Babs Günther abschließend.

 

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