Sonnenfinsternis in Schweinfurt – Malle kann jeder

 


Ganz Europa stand Kopf. Die Sonne wollte sich für ein paar Minuten rar machen – und plötzlich gab es nur noch ein Thema: die Sonnenfinsternis.

Wochenlang wurde berichtet, erklärt und gewarnt. Vor allem brauchte man natürlich die ultimative Sonnenfinsternis-Brille. Ohne die ging gar nichts. Wer keine hatte, konnte offenbar gleich im Keller bleiben. Wahrscheinlich hätte man mit so einer Brille kurz vor dem großen Ereignis auf dem Schwarzmarkt mehr verdienen können als mit Aktien.



Und dann Mallorca! Manche Menschen fliegen im Sommer nach Malle wegen Sonne, Strand und Sangria. Diesmal flogen sie hin, damit die Sonne verschwindet. Muss man auch erst einmal draufkommen.

Wie Horden standen sie dort, bewaffnet mit Spezialbrillen, Kameras und Handys und starrten Richtung Himmel. Die totale Sonnenfinsternis! Ein Naturschauspiel! Ein einmaliges Erlebnis!

Wir dagegen standen in Schweinfurt.

Auf unserem Balkon.

Ohne Flugticket, ohne Gedränge und ohne die Frage, ob der Koffer diesmal vielleicht in Frankfurt geblieben ist.

Gut, bei uns wurde die Sonne nicht komplett verdeckt. Wir hatten also gewissermaßen die Sparversion der Sonnenfinsternis. Nicht total, aber dafür günstig. Und gemütlich. Wir mussten keinen Liegestuhl reservieren, niemand stand uns vor der Nase und Getränke gab es aus dem eigenen Kühlschrank. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war hervorragend.

Natürlich hatten die Medien das Ganze vorher ordentlich hochgekocht. Schließlich ist Sommerloch. Und bevor man zum zwölften Mal darüber berichtet, ob man bei 35 Grad wirklich genug trinken sollte, kommt so eine Sonnenfinsternis gerade recht.

Also wurde gerechnet, erklärt und live berichtet. Wo sieht man sie am besten? Wann beginnt sie? Wann endet sie? Wo verschwindet die Sonne ganz? Und vor allem: Haben Sie die richtige Brille?

Man bekam fast das Gefühl, die Sonne hätte persönlich eine Pressekonferenz angekündigt.

Und dann war sie da.

Wir standen auf unserem Balkon, schauten nach oben und mussten zugeben: Ja, es war schön. Wirklich schön. Für einen Moment war da dieses besondere Licht und das Gefühl, etwas zu sehen, das eben nicht jeden Mittwoch um halb drei vorbeikommt.

Auf Mallorca war es bestimmt spektakulärer.

Aber wir mussten danach nicht zum Flughafen.

Und während die Malle-Horden vermutlich wieder ihre Koffer packten, gingen wir einfach zurück ins Wohnzimmer.

Ich werde so eine Sonnenfinsternis wohl nicht mehr auf unserem Balkon erleben.

Aber immerhin kann ich sagen: Ich war dabei. Balkon, Schweinfurt, erste Reihe. Eintritt frei.

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