Der Sommerrundgang durch Schweinfurt war längst überfällig. Endlich habe ich mich aufgerafft und bin zu Fuß durch die Innenstadt gelaufen.
Ich bin Sandra Grätsch von SW-N-TV.
Und eines möchte ich gleich zu Beginn sagen: Schweinfurt ist längst nicht so schlecht, wie manche unsere Stadt ständig schlechtreden. Wer behauptet, hier sei alles verloren, der macht es sich viel zu einfach.
Aber ich wäre nicht ich, wenn ich einfach nur alles schönreden würde.
Je länger ich durch die Straßen gelaufen bin, desto mehr hat mich manches geärgert. Wahrscheinlich war das für meinen Blutdruck nicht unbedingt förderlich. Aber was raus muss, muss eben raus. Ich lasse mir das Reden nicht verbieten – und ich werde auch weiterhin den Finger in die Wunde legen, wenn es nötig ist.
Unsere Stadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert. Aus der Industriestadt ist eine weltoffene kleine Metropole geworden. Vieles gefällt mir daran. Vieles ist moderner, schöner und lebendiger geworden.
Natürlich ist mir vieles aufgefallen, was mich nachdenklich gemacht hat. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass das sprichwörtliche Babylon auf unseren Straßen immer größer wird. Es wirkt auf mich zuweilen fremd.
Manches hat mich aber auch nachdenklich gemacht. Ich habe Momente erlebt, in denen ich dachte: Das ist nicht mehr das Schweinfurt, mit dem ich aufgewachsen bin. Dieses Gefühl darf man aussprechen, ohne gleich in irgendeine Schublade gesteckt zu werden. Veränderungen gehören zum Leben – aber nicht jede Veränderung fühlt sich für jeden Menschen gleich an.
Und trotzdem möchte ich eines ganz deutlich sagen: Menschen, die zu uns kommen, sind herzlich willkommen – wenn sie gerne hier leben, unsere Werte respektieren und mithelfen, dass Schweinfurt eine lebenswerte Stadt bleibt. Heimat funktioniert am besten, wenn man sie gemeinsam gestaltet. Herkunft spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist der Wille, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Bei meinem Rundgang habe ich nämlich auch viele wunderschöne Seiten entdeckt. Kleine Gassen, liebevoll gestaltete Plätze, grüne Ecken und Orte, die mein Herz berühren. Da denke ich jedes Mal: Genau das ist mein Schweinfurt. Eine Stadt mit Geschichte, mit Charakter und mit unglaublich viel Potenzial.
Was mich allerdings wirklich ärgert, ist etwas ganz anderes.
Überall weggeworfener Müll. Beschmierte Wände. Zerstörtes Eigentum. Das hat nichts mit Nationalität, Religion oder Herkunft zu tun. Das ist schlicht mangelnder Respekt gegenüber der eigenen Stadt und den Menschen, die hier leben.
Deshalb mein Appell an alle – ganz egal, woher ihr kommt: Wenn ihr Schweinfurt liebt oder hier eine Zukunft aufbauen wollt, dann behandelt diese Stadt auch so. Werft euren Müll in den Mülleimer. Respektiert öffentliche Plätze. Beschmiert keine Fassaden und zerstört nicht das Eigentum anderer.
Das wäre schon ein verdammt guter Anfang.
Schweinfurt ist nicht perfekt. Welche Stadt ist das schon? Aber sie ist lebenswert. Sie verdient Menschen, die Verantwortung übernehmen, statt ständig nur zu meckern oder alles kaputtzureden.
Ich werde auch weiterhin mit offenen Augen durch meine Heimat laufen. Ich werde loben, wenn es etwas zu loben gibt. Ich werde kritisieren, wenn Kritik angebracht ist. Und ich werde niemals aufhören, an diese Stadt zu glauben.
Denn bei aller Kritik bleibt eines für mich unverändert:
Schweinfurt ist und bleibt meine Heimat.
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