Stadt Würzburg lud zum Mozartfest: Philharmonisches und Philosophisches über den Begriff der Schönheit
„Das diesjährige Mozartfest setzt Schönheit als Motto ins Zentrum – wie passend. Denn es zielt nicht auf das Dekorative, sondern auf Schönheit, die Werte schafft. Schönheit, die Überlebensmittel ist. Das Mozartfest macht uns in diesem Jahr auf besondere Weise darauf aufmerksam, dass es selbst ein Glücksort ist“, beschwor Oberbürgermeister Martin Heilig beim Städtischen Empfang zum 105. Mozartfest die Stärken des Festivals als beständige Energiequelle für alle Besucherinnen und Besucher, als großartige Teamleistung in der Organisation und als Ort künstlerischer Inspiration und des offenen Diskurs.
Mozart hatte 1790 bei der wohl berühmtesten Kaffeepause, die je in der Stadt eingelegt wurde, Würzburg als „schöne und prächtige Stadt“ bezeichnet. Heilig zog Parallelen zur groß angelegten Bürgerbefragung „Wohlbefinden in Würzburg“ in diesem Jahr, in der eine große Mehrheit der Bürgerschaft es ebenfalls als schön empfindet, in Würzburg zu leben. Wer dieser Schönheitsformel von Orten auf der Spur ist, ob nun als Oberbürgermeister oder wie Evelyn Meining als langjährige Intendantin des Festivals, dürfe Erreichtes nie als selbstverständlich begreifen.
Entsprechend galt es auch Dank auszusprechen an die vielen Partner und Unterstützer des Mozartfestes. Heilig stellte das Unternehmen krick heraus, das seit nunmehr 30 Jahren als Förderer an Bord ist. Zusammen mit seinen Stellvertretern Dr. Sandra Vorlová und Joachim Spatz begrüßte der Oberbürgermeister Vertreterinnen und Vertreter der Diplomatie, der Parlamente, des Bezirks, aus den Rathäusern der Region, der Kirchen, Ausgezeichnete und ganz einfach viele Musikbegeisterte, die nun bis Ende Juni nicht nur Wiener Klassik erwartet: Bruckner, Britten, Beatles – Residenz, Golf Club, Innenstadt – Uwaga!, Bamberger Symphoniker, Tianwa Yang. Letztere wird als Artiste étoile gleich 13-mal zur Violine greifen. Das Programm aus Maurice Ravel, Sergei Prokofjew und Wolfgang Amadé Mozart zusammen mit dem Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Antonello Manacorda bildete den mit viel Beifall bedachten Auftakt dieses ambitionierten Konzertreigens. Die in Peking geborene Ausnahmekünstlerin lehrte bereits in Kassel und Bern, seit 2018 ist sie Professorin der Hochschule für Musik in Würzburg und somit auch prädestiniert für Formate wie das MozartLabor. Das gesamte Programm, viele Hintergründe, Biografien und Interviews finden sich auf mozartfest.de.
"Das Mozartfest Würzburg ist ein musikalisches Highlight, das den Freistaat Bayern mit internationalem Glanz erfüllt. Hier zeigt sich, wie lebendig und inspirierend unsere Heimat ist - voller Kreativität, Leidenschaft und kultureller Vielfalt. Mozart verbindet Generationen und bringt Menschen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam großartige Musik zu erleben. Das Mozartfest ist ein echtes Aushängeschild für Würzburg und zeigt eindrucksvoll: Unterfranken steht für Kultur auf höchstem Niveau. Ich freue mich, heute dabei zu sein und wünsche allen Gästen unvergessliche Konzertmomente!", würdigte Martin Schöffel, Bayerischer Finanz- und Heimatstaatssekretär als Ehrengast der Staatsregierung das Gesamtkunstwerk.
Intendantin Evelyn Meining erläuterte die leitenden Gedanken, die zum diesjährigen Festivalmotto „Beschworene Schönheit: Idol Mozart“ führten: „Das ist kein nostalgischer Seufzer. Es ist eine bewusste Anrufung. Denn Schönheit wird selten dann beschworen, wenn alles in Ordnung ist. Sie wird gesucht, wenn etwas fehlt. Wenn Gewissheiten brüchig werden. Wenn eine Welt aus den Fugen gerät.“ Dies galt für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Etwa der Welt Prokofjews. Und auch heute begleiten laut Meining Ambivalenzen den Schönheitsbegriff – etwa durch einen maximalen Körperkult, Vereinnahmungen der Kunst für Propaganda oder der schwierigen Frage, ob Kunst ihre Schönheit verliert, wenn die Künstler sich als abgrundtief hässliche Charaktere erweisen. „Der Philosoph Christoph Quarch, der in diesen Tagen beim Mozartfest über Schönheit sprechen wird, sagt: Schönheit rettet die Welt. Nicht, weil sie die Welt schöner macht. Sondern, weil sie uns erinnert, dass der Mensch mehr ist und mehr braucht als Funktion, Nutzen und Optimierung“, gab Meining den Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Denkanstöße mit in die Festivalwochen, ganz nebenbei zitierte sie zahlreiche Komponisten und ihre sehr unterschiedlichen Beziehungen zu Mozarts wohltemperierten Klang.
Vom Satiriker Karl Feldkamp stammt der Ausspruch: „Wahre Schönheit kommt von innen. Leider setzt sie sich oft nicht nach außen fort.“ An diesen feierlichen Auftakt des Mozartfestes mit Konzert im Kaisersaal und anschließendem Empfang im Gartensaal und im nächtlichen Hofgarten, mit Strahlkraft weit über das Weltkulturerbe hinaus, kann er bei diesem Aphorismus nicht gedacht haben.
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