Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob das Ordnungsamt, die Verkehrsüberwachung oder wie sie diese geheimnisvolle Behörde gerade nennen, überhaupt wirklich existieren – oder ob dort inzwischen nur noch Geister arbeiten.
Anders kann ich mir manches nicht mehr erklären.
Denn eines funktioniert in unserer Stadt erstaunlich zuverlässig: das Finden von Autos, bei denen sich ein Knöllchen lohnt. Da entwickeln die zuständigen Kräfte plötzlich Fähigkeiten, von denen jeder Geheimdienst träumen würde. Falschparker in der Innenstadt werden offenbar auf mehrere Kilometer Entfernung erspürt. Wahrscheinlich schlägt irgendwo im Keller ein Alarm an:
„Achtung! Ein Auto steht 37 Sekunden im Halteverbot! Sofort Einsatzgruppe Parkschein entsenden!“
Und zack – ehe man „Brötchen holen“ sagen kann, flattert bereits ein Strafzettel unter dem Scheibenwischer hervor.
Respekt.
Wirklich beeindruckend.
Doch wehe, man schreibt eine Mail.
Dann betritt die Anfrage offenbar eine andere Dimension. Eine Art behördliches Bermuda-Dreieck, aus dem nie wieder etwas zurückkehrt.
Mein Antrag für eine Liveübertragung vom Weihnachtsmarkt ist inzwischen vier Jahre alt. Vier Jahre! Ich habe mehrfach freundlich nachgefragt, geschrieben, erinnert, persönlich angesprochen. Vielleicht reist mein Antrag inzwischen intern von Schreibtisch zu Schreibtisch wie ein alter Wanderpokal.
Antwort? Keine.
Selbst als Presse bekommt man teilweise weniger Rückmeldung als ein Faxgerät ohne Stromanschluss.
Und langsam frage ich mich:
Arbeiten dort nachts nur noch Antwortgeister?
Sitzen sie zwischen staubigen Aktenordnern und flüstern sich gegenseitig zu:
„Bloß nicht reagieren. Sonst kommen noch mehr Bürger mit Ideen.“
Dabei möchte man doch gar keinen Ärger machen. Man meldet Missstände, weil man sich kümmert. Man bringt Vorschläge ein, weil man die Stadt mag. Man möchte mitgestalten. Aber manchmal entsteht der Eindruck, als passe man eher in den Spam-Ordner als ins Stadtbild.
Besonders faszinierend ist allerdings die unterschiedliche Wahrnehmung innerhalb der Stadt.
In der Innenstadt herrscht höchste Alarmbereitschaft. Dort kreist die Verkehrsüberwachung vermutlich wie ein Schwarm hochmotivierter Ordnungsmöwen über jedem abgelaufenen Parkschein.
Außerhalb dagegen beginnt scheinbar eine andere Welt.
Zum Beispiel in der Harald-Hamberg-Straße.
Dort scheint eine eigene Straßenverkehrsordnung zu gelten. LKWs, Omnibusse, Werbeanhänger, absolutes Halteverbot, private Parkplätze – alles wirkt dort eher wie eine unverbindliche Empfehlung als wie eine Regel.
Man könnte vermutlich einen Kleinflughafen eröffnen, solange jemand „Bin gleich weg“ hinter die Windschutzscheibe legt.
Vielleicht liegt es einfach daran, dass dort weniger zu holen ist.
Denn manchmal hat man als Bürger das Gefühl:
Die Verkehrsüberwachung bewegt sich bevorzugt dorthin, wo der Parkschein schneller klingelt als das Bürgertelefon.
Aber trotz allem sollte man es wohl mit Humor nehmen.
Vielleicht gehe ich tatsächlich eines Tages einfach persönlich ins Amt, klopfe vorsichtig an die Tür und frage freundlich:
„Hallo? Lebt hier noch jemand?“
Und wenn dann plötzlich jemand antwortet, erschrecke vermutlich am Ende ich mich selbst am meisten.

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