Hunderte begeisterter Menschen drängten sich dicht an dicht auf dem Würzburger Residenzplatz, unter bunten aufgespannten Schirmen. Sie trotzten heftigen Regenschauern und Gewittern und begleiteten fröhlich die Eröffnung des 104. Deutschen Katholikentags in der Stadt Würzburg.
Die Stadt Würzburg, der Freistaat Bayern, das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und das gastgebende Bistum Würzburg haben am Vortag des Feiertags Christi Himmelfahrt den Start des Großereignisses für Katholikinnen, Katholiken und Gläubige aller Konfessionen und vieler Religionen aus Deutschland, Europa und der Welt begangen. Christi Himmelfahrt bedeutet im katholischen Glauben der Triumph des Lebens über den Tod und kündigt die Aussendung des Heiligen Geistes an die Gläubigen an. Der 104. Deutsche Katholikentag versteht sich jedoch nicht nur als ein Treffpunkt des Glaubens, sondern auch als einen Ort, an dem die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft diskutiert werden, als Begegnungsplattform über Konfessionsgrenzen hinweg und Impulsgeber für Gesellschaft, Demokratie, Politik und Gemeinschaft. Dies wurde beim Festakt wie auch bei der Eröffnung deutlich. Zu verschiedenen Veranstaltungsformaten, von denen über 900 angeboten werden, werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundeskanzler Friedrich Merz in Würzburg erwartet. Auf die Tausenden Besuchenden warten Gottesdienste, große und kleine Podien, Werkstätten, Konzerte, Ausstellungen, Theater, Musik in den Straßen und vieles mehr.
Mut, Hoffnung, Zusammenhalt als Antrieb
Oberbürgermeister Martin Heilig wünschte dem 104. Deutschen Katholikentag bei dem Festakt, zu dem Stadt Würzburg und Freistaat Bayern eingeladen hatten, nicht nur Freude, sondern auch mutige Debatten: „Es geht darum, kritisch zu sein, und wirklich ins Gespräch zu kommen. Nicht nur seichte Konversationen zu führen, sondern sich wirklich auch tief auf die Fragen des Lebens und der gesellschaftlichen Herausforderungen einzulassen.“ Kirchen, so Heilig, würden gerade heute gebraucht, „als Orte, die Menschen zusammenbringen, Halt geben, daran erinnern, dass jeder Mensch Würde hat.“ Kirchen leisteten einen enorm wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: „Sie sind Orte der Begegnung, Orte des Zuhörens, Orte der Hoffnung – gerade in schwierigen Zeiten. Und wir brauchen Mut, um uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.“ Man spüre jedoch, so Heilig weiter, gerade in diesen Tagen in Würzburg Hoffnung. „Es gibt in unserem Land unglaublich viele Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Zusammenhalt gelingt. Menschen, die helfen, zuhören und für andere da sind. Gerade darin liegt die große Stärke unserer Gesellschaft.“
Ministerpräsident Dr. Markus Söder betonte, dass das Bekenntnis zu Gott verbinde und der Glaube eine Botschaft sei, zusammenzukommen. Er würdigte in diesem Zusammenhang das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen gegen Krieg, Leid und vermeintliche Hoffnungslosigkeit: „Wo viel Dunkel, da viel Licht.“ Der Katholikentag stehe für ein offenes, respektvolles und friedvolles Miteinander. Diese Werte seien zugleich wesentlich für die Demokratie.
Dr. Imre Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, betonte in ihrem Grußwort die Herausforderungen in Deutschland, aber auch in der Welt: „Mit Blick auf die Krisenherde unseres Planeten scheint zunehmend das Recht des Stärkeren fundamentale völkerrechtliche Prinzipien abzulösen. Die Angst vor Krieg und Gewalt ist ins Herz Europas zurückgekehrt, während zeitgleich zentrale Pfeiler unserer Sicherheitsarchitektur ins Wanken geraten.“ Sie rief, den Leitsatz des 104. Deutschen Katholikentags betonend, zu „Mut zur Kontroverse und Mut zur Gemeinschaft“ auf. „Katholikentage“, so Dr. Stetter-Karp, „tragen zu den Gelingensbedingungen einer pluralistischen Demokratie bei und stärken das gesellschaftliche Fundament unseres Landes, das in diesen Tagen so gefragt ist wie lange nicht mehr. Sie erfüllen aber auch ein ganz individuelles Bedürfnis – eine Sehnsucht, die vermutlich jede und jeder in sich spürt: nach Gemeinschaft, nach Zusammenhalt, nach Mut. Denn uns verbindet mehr als uns trennt.“
Gemeinschaft, Zusammenhalt, Mut, aber auch Hoffnung sei Antrieb, schloss Bischof Dr. Franz Jung an: „In Jesus Christus haben wir eine Hoffnung, die nicht von dieser Welt ist und weit über die Heilsversprechen dieser Welt hinausgeht. Ein wichtiger Impuls für unsere Gesellschaft in Zeiten der Angst, der Verunsicherung und wachsender Polarisierung. Die Welt braucht nicht noch mehr Hoffnungslosigkeit. Im Gegenteil. Als Kirchen bieten wir den Menschen unseren Glauben an als Quelle der Hoffnung und als Ermutigung zum Leben. Ohne diese Botschaft wäre unsere Gesellschaft ärmer!“ Bewusst sei daher als biblisches Leitwort für den 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg „Hab Mut, steh auf!“ gewählt worden, als Auftrag „Menschen zu ermutigen, Christus zu begegnen, Dein Leben in die Hand zu nehmen und die Augen zu öffnen für die Möglichkeiten in Deinem Leben.“
Hab Mut, steh auf!
Dr. Imre Stetter-Karp eröffnete anschließend den 104. Deutschen Katholikentag offiziell auf dem Residenzplatz. Zu der Eröffnung war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zugegen. Er hob das Motto des 104. Katholikentags „Hab Mut, steh auf“ hervor: Es komme zur rechten Zeit, wenn viele Menschen erschöpft und passiv geworden seien aufgrund der Herausforderungen der Gegenwart. „Wir müssen aufhören, uns in Ohnmacht und unser Land in den Abgrund zu reden“, forderte er die Gäste unter deren Applaus auf. Das Motto des 104. Katholikentags sei ein Anstoß zu einem neuen Schritt, „das rechte Wort zur rechten Zeit.“ Er blickte auch auf die Vergangenheit Würzburgs zurück, als die Menschen nach der vollständigen Zerstörung der Stadt zum Ende des Zweiten Weltkriegs mutig und tatkräftig wieder aufbauten.
Der Katholikentag wird alle zwei Jahre vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der Dachorganisation der Laien in der Kirche, gemeinsam mit einem gastgebenden Bistum, ausgerichtet. Beginn des Katholikentags war 1848, als sich katholische Laien erstmals in Mainz trafen, um Religionsfreiheit, demokratische Rechte und gesellschaftliche Mitverantwortung einzufordern. Seitdem begleiteten Katholikentage alle politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Deutschlands. In Würzburg fand 1907 der letzte Deutsche Katholikentag statt. Der 104. Deutsche Katholikentag ist, wie Oberbürgermeister Martin Heilig bei der Eröffnung sagte, „ein Ort der Begegnung, ein Ort der Hoffnung, ein Ort, der Mut macht.“
Das Programm des 104. Deutschen Katholikentags umfasst Gottesdienste unter freiem Himmel, politische Podien, Workshops und kulturelle Veranstaltungen. Auf der Kirchenmeile am Mainufer stellt sich die katholische Kirche wie auch viele Organisationen vor.
Mehr Informationen, wie auch das Programm bis einschließlich 17. Mai 2026 finden sich auf https://www.katholikentag.de/.
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| Katholikentag1: Festakt und Empfang vor der Eröffnung des 104. Deutschen Katholikentags. Foto: Christian Weiß |
Zu Festakt und Eröffnung waren geladen: Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow, die parlamentarische Staatssekretärin Kerstin Griese, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, die Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner, Staatsminister Joachim Herrmann, Staatsministerin Anna Stolz, Staatssekretär Sandro Kirchner, Abgeordnete des Bayerischen Landtags, der Präsident des Thüringischen Landtags Dr. Thaddäus König, als Vertreter der römisch-katholischen Kirche Seine Eminenz den Hochwürdigsten Herrn László Kardinal Nemét, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Heiner Wilmer, Erzbischöfe, Weihbischöfe und Bischöfe, Vertreter und Vertreterinnen der evangelischen Kirche, an ihrer Spitze die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bischöfin Kirsten Fehrs, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Ehrenbürger der Stadt Würzburg Dr. Josef Schuster, der Vertreter der muslimischen Gemeinden in Würzburg Ahmet Bastürk, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Würzburg Pastor Christoph Schmitter, Vertreter der Kirchenjugend Christoph Hippe und Paula Traub, Vertreter des Bezirkstags Unterfranken, an ihrer Spitze Bezirkstagspräsidenten Stefan Funk, Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer, Landrat Thomas Eberth, die ehemaligen Oberbürgermeister von Würzburg Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Weber, Dr. Pia Beckmann und Christian Schuchardt, Mitglieder des Würzburger Stadtrates und Vertretende von Justiz, Polizei, Bundeswehr, Hochschulen, Behörden, aus Wirtschaft, Handwerk, Verbänden, Vereinen und Medien.
Text: Claudia Lother (clap)


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