Was ist das für eine Zeit, in der niemand mehr Zeit hat?

 


Es ist eine merkwürdige Epoche. Eine Zeit, in der alles jederzeit verfügbar ist – nur die Aufmerksamkeit nicht. Filme zum Beispiel. Filme, die mit Herzblut, Augenringen und unbezahlten Überstunden entstehen. Filme, für die Menschen ihre Wochenenden opfern, ihre Beziehungen strapazieren und ihre Kaffeemaschinen verschleißen. Und dann? Dann werden sie gescrollt. Weg. Zack. Nächster Clip.

Manchmal, als Filmemacherin, kommen mir da tatsächlich die Tränen. Nicht die großen, pathetischen – eher diese trockenen, resignierten Tränen, die sagen: Ach so. Dafür also. Für einen Daumenwischer von links nach rechts. Für ein „Sieht interessant aus, schaue ich später“ – das später nie kommt, weil später längst mit einem Katzenvideo, einem Lifehack und drei Empörungsartikeln belegt ist.



Niemand hat mehr Zeit. Wirklich niemand. Nicht fürs Lesen, nicht fürs Schauen, nicht fürs Zuhören. Nicht mal für die Arbeit. Das sagt zumindest der Bundeskanzler. Und wenn selbst der Regierungschef keine Zeit mehr hat, dann kann man es dem Publikum kaum übel nehmen. Offenbar regieren wir inzwischen im Pausenmodus.

Zeit ist das neue Luxusgut. Früher war es das Auto, dann der Urlaub, jetzt sind es zehn Minuten Konzentration am Stück. Wer es schafft, einen Filmbericht ganz anzuschauen, gilt bereits als elitär. Fast schon verdächtig. Hat der nichts Besseres zu tun?

Dabei ist es ja nicht so, dass keine Zeit da wäre. Sie wird nur… Fragmentiert. Zerschnipselt. In Häppchen serviert, maximal 30 Sekunden lang, am besten mit Untertiteln, weil Ton schon wieder zu anstrengend ist. Gefühle bitte auch nur angedeutet. Komplexität nur, wenn sie tanzbar ist.

Und wir Filmschaffenden? Wir stehen daneben, wedeln mit unseren sorgfältig montierten Szenen und denken: Bleib doch kurz stehen. Es tut nicht weh. Versprochen. Aber der Daumen ist schneller. Der Daumen hat Termine. Der Daumen hat keine Zeit.

Vielleicht ist das die wahre Tragödie unserer Gegenwart: Nicht, dass niemand mehr Filme macht. Sondern dass niemand mehr hinschaut. Und irgendwann sitzen wir dann alle da, bestens informiert in 15-Sekunden-Einheiten – und wundern uns, warum uns nichts mehr wirklich berührt.

Aber keine Sorge. Ich fasse das jetzt kurz. Du hast ja sicher auch keine Zeit. 😉

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