Ich laufe also wieder durch Schweinfurt. Wahlkampfzeit. Plakate lächeln von Laternenmasten, als wollten sie sagen: „Diesmal wird wirklich alles anders.“ Ich lächle zurück. Man kennt sich ja inzwischen.
Seit Herbst 2025 – was hat sich verändert?
Ehrlich gesagt: überschaubar.
In der Keßlergasse stehen endlich Gerüste. Das berüchtigte Haus wird saniert, Fassaden bekommen Zuwendung. Man möchte fast gerührt sein. Natürlich ist das gut. Natürlich wird es schöner werden. Und natürlich fragt man sich gleichzeitig, warum dafür gefühlt erst mehrere Wahlperioden Anlauf nötig waren.
Und dann komme ich zum Roßmarkt.
Nein – es ist nicht die Gestaltung.
Es sind diese Platten.
Diese Straßenbelagsplatten, die dort seit gefühlten hundert Jahren liegen, wie eine Mahnung aus einem missglückten Katalog für kommunale Zweckmäßigkeit. Grau, fleckig, unerquicklich. Sie wirken, als hätte jemand gesagt: „Hauptsache robust“, was sie ja nicht sind– und dabei vergessen, dass eine Innenstadt nicht nur halten, sondern auch gefallen soll.
Man tritt darauf und denkt nicht: Oh, wie urban.
Man denkt: Das könnte auch der Vorplatz eines Großparkplatzes in einem Entwicklungsland sein.
Und doch – schlimmer geworden ist es nicht. Das muss man anerkennen. Der Roßmarkt ist konstant. Unerschütterlich. Eine Art musealer Zustand städtebaulicher Entscheidungsfreude vergangener Zeiten.
Der künftige Oberbürgermeister – oder die künftige Oberbürgermeisterin – wird jedenfalls kein leichtes Erbe antreten. Leere Kassen, große Erwartungen, Bürgerinnen und Bürger, die sich eine lebendige Innenstadt wünschen, aber bitte ohne zusätzliche Schulden. Ein kommunalpolitisches Perpetuum mobile.
Man hört im Wahlkampf viel von „Impulsen“, „Aufwertung“ und „Neubelebung“. Das klingt alles wunderbar. Aber vielleicht beginnt echte Veränderung manchmal ganz unspektakulär – mit der Entscheidung, dass man sich von ein paar Platten trennt, die ihre beste Zeit schon sehr lange hinter sich haben.
Ich laufe weiter.
Die Gerüste klappern.
Die Platten liegen.
Die Plakate versprechen.
Und irgendwo zwischen Keßlergasse und Roßmarkt stellt sich leise die Frage:
Wollen wir nur verwalten, was ist – oder wirklich gestalten, was sein könnte?
Die Wahl wird es zeigen.

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