Die Rhön steht wieder auf – 1.700 Menschen setzen starkes Zeichen für industrielle Zukunft in Bad Neustadt an der Saale

 

Foto: IG Metall Schweinfurt

Die Rhön steht wieder auf – 1.700 Menschen setzen starkes Zeichen für industrielle Zukunft in Bad Neustadt an der Saale


Bad Neustadt an der Saale – Mit großer Beteiligung und eindrucksvoller Solidarität haben heute (7. Februar 2026) Beschäftigte, Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft ein sichtbares Zeichen für die industrielle Zukunft in Bad Neustadt an der Saale gesetzt. Unter dem

Motto „Die Rhön steht wieder auf“ beteiligten sich laut Polizeiangaben 1.700 Menschen am Demonstrationszug vom zentralen Busbahnhof Richtung Innenstadt und an der anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz.

Der von der IG Metall Schweinfurt initiierte Aktionstag richtete sich vor allem gegen die angekündigte Schließung des Valeo‑Standorts sowie den geplanten Abbau von weiteren 280 Arbeitsplätzen beim Automobilzulieferer Preh. Beide Unternehmensentscheidungen gefährden aus Sicht der IG Metall Existenzen, schwächen die gesamte Region und zerstören wichtige industrie- und strukturpolitische Zukunftsperspektiven in Bad Neustadt an der Saale, der ersten Modellstadt Elektromobilität in Bayern.

Bereits am Vormittag füllte sich der zentrale Busbahnhof, von dem aus der Demonstrationszug startete. Beschäftigte aus den Betrieben, Familien, Vereine, Kirchen und viele Unterstützerinnen und Unterstützer aus der gesamten Region machten mit Bannern, Transparenten und Fahnen deutlich: „Die Rhön steht wieder auf – damit Zukunft nicht zur Geschichte wird.“

Auf dem Marktplatz folgte eine kraftvolle Kundgebung, begleitet von Live-Musik der Band „Burn II Rock“ und zahlreichen Redebeiträgen. Es sprachen Daniel Rossmann (Betriebsratsvorsitzender Preh), Florian Volkmuth (Betriebsratsvorsitzender Valeo), Oliver Mauer (Betriebsratsvorsitzender Siemens) Thomas Habermann (Landrat Landkreis Rhön Grabfeld), Michael Werner (Bürgermeister Bad Neustadt an der Saale), Diakon Peter Hartlaub (Katholische Betriebsseelsorge im Bistum Würzburg) und Thomas Höhn (Geschäftsführer der IG Metall Schweinfurt).

Besonders eindrücklich waren die Berichte der Betriebsräte von Valeo und Preh, die die Stimmung in der Belegschaft, die Sorgen der Familien und die Folgen der Konzernstrategien schilderten.

Thomas Höhn von der IG Metall Schweinfurt zog ein klares Fazit des Tages: „Der angekündigte massive Stellenabbau darf nicht geräuschlos passieren – und genau das haben 1.700 Menschen heute in Bad Neustadt klar gezeigt: Wir machen uns gerade und halten lautstark dagegen. Rückzug ist keine Option – Haltung zeigen schon. Die Menschen in der Rhön haben ein feines Gespür dafür, wenn etwas aus den Fugen gerät.“ Höhn fügt an: „Die Verantwortlichen und die Folgen ihrer Entscheidungen müssen klar benannt werden. Unsere Zukunft lassen wir uns nicht einfach von Konzernen zerstören, die ohne Blick auf die Menschen entscheiden. Wer viel Geld hat, darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Daraus entsteht Verantwortung.“ Die IG Metall fordert einen langfristigen Plan für die Industrie in Deutschland und Investitionen in den Standort.

Zum Hintergrund:

Die Entscheidung, Bad Neustadt an der Saale zu Bayerns erster Modellstadt Elektromobilität zu entwickeln, war das Ergebnis eines historischen Kraftakts der Region. Im Jahr 2010 drohte mit dem angekündigten Abbau von Hunderten Arbeitsplätzen bei Siemens der industrielle Kern der gesamten Region zu zerbrechen. Was folgte, war eine beispiellose Welle der Solidarität: Zehntausende Menschen gingen auf die Straße, Betriebe standen zusammen, Familien, Kommunen und Gewerkschaften kämpften gemeinsam um die industrielle Zukunft der Rhön.

Dieser massive gesellschaftliche Druck war die Grundlage dafür, dass neue Perspektiven entstanden – insbesondere die Ansiedlung und Entwicklung von Elektromobilität als Zukunftstechnologie. Die Region bewies damals, dass sie Innovationskraft, Automobilkompetenz und digitales Know-how besitzt – und dass sie bereit ist, Verantwortung für industrielle Wertschöpfung zu übernehmen. Anfang 2026 steht dieses gemeinsame Erreichte massiv unter Druck. Die weitreichenden Entscheidungen von Preh und zuletzt die Ankündigung der Standortschließung von Valeo gefährden nicht nur einzelne Arbeitsplätze, sondern das gesamte industrielle Ökosystem der Region.


Fotos: IG Metall Schweinfurt Text -IG Metall







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