Bin ich froh, wenn die Wahl rum ist!

 


Eine Glosse zur Stadtratswahl in Schweinfurt

Es ist wieder soweit. Schweinfurt blüht. Nicht wegen des Frühlings. Nein – wegen der Gesichter.
Überall Gesichter.

Und diesmal geht es um 44 Sitze im Stadtrat.



Was erstmal überschaubar klingt. Bis man merkt, dass jede Partei dafür ihre komplette Mannschaft ins Rennen schickt. 44 Namen pro Liste. Und davon gibt es mehrere. Das Ergebnis: Schweinfurt verwandelt sich in eine Open-Air-Porträtgalerie.

An jeder Laterne hängt mindestens ein Hoffnungsträger. Manchmal auch zwei oder drei übereinander – falls die Laterne politisch noch unentschlossen war. Wenn man abends durch die Stadt läuft, fühlt man sich leicht beobachtet. Von 200 lächelnden Menschen, die alle zufällig gerade jetzt ihre Leidenschaft für Kommunalpolitik entdeckt haben.

Im Briefkasten stapeln sich die „persönlichen“ Anschreiben. Persönlich heißt offenbar: „Sehr geehrte Bürgerin, sehr geehrter Bürger“. Mein „Bitte keine Werbung“-Aufkleber wird in Wahlzeiten traditionell als freundliche Dekoration interpretiert. Demokratie sticht Klebeschild.

Und natürlich wollen sie alle Veränderung.

Neue Wege!
Frischer Wind!
Transparenz!
Mehr Bürgernähe!

Mehr Sicherheit!

Da frage ich mich leise: Wo wart ihr eigentlich die letzten Jahre?
Wenn alles so dringend anders werden muss – warum nicht schon im letzten Haushalt? Oder vorletzte Amtsperiode?

Stattdessen wird jetzt der große Neustart versprochen. Obwohl die Stadtkasse ungefähr so leer ist wie mein Kühlschrank zwei Tage vor Monatsende. Und obwohl ein Oberbürgermeister weniger Gestaltungsmacht hat, als viele denken. Das Rathaus ist schließlich kein Wunschautomat.

Und am Ende?
Wird diskutiert.
Geprüft.
Vertagt.
Und zur Sicherheit abermals geprüft, ob man prüfen darf.

Die Revolution endet dann im Arbeitskreis „Konzeptentwicklung Phase 1“.

Was mich wirklich interessiert:
Wer hat eigentlich die tatsächliche Macht in dieser Stadt?

Der Stadtrat mit seinen 44 Sitzen?
Die Verwaltung?
Die Parteien?
Der Haushaltsplan?
Oder doch derjenige, der entscheidet, wo die nächste Baustelle hinkommt?

Wenn ihr es wisst – schreibt es mir als Kommentar.

Bis dahin zähle ich weiter Plakate. Und Tage.

Bin ich froh, wenn die Wahl rum ist.

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