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Als Kind der Nachkriegszeit haben wir in Deutschland immer voller Staunen auf die USA geblickt. Das Land der Freiheit. Der Möglichkeiten. Der Demokratie. Amerika war das große Vorbild, der Gegenentwurf zu Diktatur, Unterdrückung und Angst. Es war der Ort, an dem alles möglich schien – durch Leistung, durch Freiheit, durch Rechtsstaatlichkeit.
Und heute?
Heute schaue ich in die USA – und mir wird angst und bange.
Ein alter Mann, getrieben von Machtgier, Ego und Narzissmus, versucht offen, Amerika in eine Diktatur zu verwandeln. Donald Trump ist keine politische Figur mehr – er ist ein Symptom. Ein Symptom für den Zerfall demokratischer Werte, für die Verrohung der Sprache, für die Normalisierung von Lügen, Hass und Gewaltfantasien.
Dieser Greis redet von „Wahlen“, aber meint Gehorsam.
Er redet von „Freiheit“, aber meint Unterwerfung.
Er redet von „Volk“, aber meint nur sich selbst.
Und dann kommt diese bittere Ironie:
Seine Wurzeln liegen auch in Deutschland.
Die Welt wird sagen: „Typisch deutsch.“
Aber nein – so sind wir nicht.
Wir wissen, wohin Fanatismus, Personenkult und Führerverehrung führen.
Wir haben diese Geschichte erlebt.
Wir haben den Preis dafür bezahlt – mit Millionen Toten, mit verbrannten Städten, mit Schuld, mit Scham, mit Verantwortung.
Ja, bei uns wackelt die Demokratie auch.
Ja, auch in Europa gibt es Populismus, Extremismus, Verrohung der Debatten.
Aber das, was in den USA passiert, ist eine andere Dimension.
Dort versucht ein einzelner Mann, ein ganzes Land umzubauen –
Justiz zu kontrollieren, Medien zu delegitimieren, Institutionen zu zerstören,
Wahlen zu diskreditieren, Gewalt zu relativieren, Gegner zu Feinden zu erklären.
Das ist kein Konservatismus.
Das ist kein Patriotismus.
Das ist Autoritarismus.
Und das Gefährlichste: Millionen jubeln ihm zu.
Man sagt immer:
Alles, was in den USA passiert, kommt irgendwann auch zu uns.
Gott behüte uns davor.
Denn niemand braucht einen zweiten Hitler.
Niemand braucht einen neuen Führerkult.
Niemand braucht einen alten Mann, der glaubt, er sei größer als Gesetze, größer als Verfassungen, größer als Demokratie.
Ich schäme mich als Deutsche für diesen Trump – nicht aus Schuld, sondern aus Verantwortung.
Weil wir wissen, wohin blinder Gehorsam führt.
Weil wir wissen, was passiert, wenn Menschen aufhören, Institutionen zu vertrauen, und anfangen, Menschen zu vergöttern.
Und ich hoffe, dass die Republikaner verlieren.
Nicht, weil ich Amerika schaden will –
sondern weil ich hoffe, dass Amerika sich selbst rettet.
Denn eine Welt, in der die USA keine Demokratie mehr sind,
ist eine Welt, in der die Demokratie überall schwächer wird.
Und das ist keine Meinung.
Das ist eine Warnung.
Sandra Grätsch

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